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Re: Wieder löst sich einer meiner Fixpunkte in NY in Luft au

Verfasst: 15.11.2018, 16:45
von beeeee
@Hawkeye: Meinst du mit „Lower Bradway“ den Broadway nördlich der Canal Street? Dort sind wir auch immer ganz gerne unterwegs, gerade Standard-Jeans kann man in diesen kleinen Läden ganz gut kaufen. Dann hoch zum Washington Square Park, schön. Vorgestern habe ich gerade für Mai‘19 wieder gebucht, Lufthansa für 1 Euro zzgl. 280 Euro Steuern und 100 Euro Gepäck.

Re: Wieder löst sich einer meiner Fixpunkte in NY in Luft au

Verfasst: 15.11.2018, 19:46
von Hawkeye
beeeee hat geschrieben:@Hawkeye: Meinst du mit „Lower Bradway“ den Broadway nördlich der Canal Street? Dort sind wir auch immer ganz gerne unterwegs, gerade Standard-Jeans kann man in diesen kleinen Läden ganz gut kaufen. Dann hoch zum Washington Square Park,
Leider ja, ich bin zwar nicht bis ganz hoch zum Washington Square Park gelaufen sondern habs an der Houston Street aufgegeben, aber das was ich gesehen habe war echt traurig.....

Re: Wieder löst sich einer meiner Fixpunkte in NY in Luft au

Verfasst: 16.11.2018, 10:03
von Abraxas
Leider ist das so. Manhattan verkommt zur Shopping Mall. Die gleichen Geschäfte wie in Deutschland in den Fußgängerzonen, oder sonstwo in der Welt. In London das gleiche. In Manhattan sind es entweder internationale Ketten oder der Laden ist leer. Jemand hat mir gesagt den Leerstand können die Besitzer von der Steuer absetzten. Das muss geändert werden. Als ich in den 70er Jahren hier ankam war New York dreckig, gefährlich und kaputt. Aber gleichzeitig auch individuell und exciting. Die geilste Clubscene in der Welt. Es ging ab. Kunst, Musik, Mode, Gastronomie, alles. New York gab den Ton für den Rest der Welt an. Mieten für Apartments waren billig. Leider vorbei. Die jungen Talente die heute nach New York kommen leben ja ausserhalb, nicht mehr in Manhattan. Viel zu teuer. Die Leute sind so konservativ geworden. Ich merke das an meinem Gebäude. 90 Parteien. In den letzten Jahren sind viele ältere Herrschaften eingezogen. Sogenannte "empty nesters". Von den Vororten zugezogen, die Kinder sind erwachsen und ausgezogen. Die Eltern ziehen in die Stadt zurück. Fast alle im Ruhestand. Leider bringen sie die Vorstadt mit in die Stadt. Es darf kein Krach sein. Will eine Bar an der Ecke aufmachen wird sofort protestiert. Will ein Restaurant gegenüber Tische rausstellen wird auch sofort protestiert, zu laut. Und das im Village. Schrecklich. Wenn sie Ruhe haben wollen, zieh nicht ins Village. Es wurde eine Resolution im Haus verabschiedet, dass man in den Wohnungen nicht mehr rauchen darf. Fuck them. Ich rauch trotzdem. Wie auch immer, ich möchte nirgendwo auf der Welt leben wie hier. Habe hier über die Jahre, für meine Begriffe, ein tolles Leben geführt. Leider wird die Liebe zu New York zur Zeit auf eine harte Probe gestellt.

Re: Wieder löst sich einer meiner Fixpunkte in NY in Luft au

Verfasst: 16.11.2018, 10:12
von nordlicht55
auch hier bemerke ich seit Jahren diese Wandlung und sie ist nicht zum Besten.

In den Fußgängerzonen findet man die großen Ketten, die kleinen können sich nur noch über Wasser halten, wenn ihnen das Haus gehört und sie keine Ladenmiete bezahlen müssen. Aber auch die haben jeden Tag zu kämpfen und irgendwann ist der Laden zu,

Ich kenne bei uns eine Boutique, die hält sich eigentlich nur, weil alle die dort einkaufen, der selben Clique angehören.

Eigentlich ist es vollkommen egal, wo man einkauft. Ob in Hamburg, Flensburg, München oder sonstwo. Überall die gleichen Läden und irgendwann sind wir so uniformiert, daß alle die gleichen Klamotten anhaben. Wie die Chinesen.

Re: Wieder löst sich einer meiner Fixpunkte in NY in Luft au

Verfasst: 16.11.2018, 12:25
von gila
Ja, überall auf der Welt :-(

Und dann sagt man, dass man die kleinen Läden unterstützen soll mit Einkäufen. Mache ich auch gerne, falls ich so etwas brauche. Aber in solchen Dimensionen wie in Manhattan hilft das ja gar nix mehr. Wenn der Eigentümer die Mieten einfach (fast) willkürlich erhöhen darf kann sich kein Einzelhändler das mehr leisten, egal wie hoch der Umsatz ist.
Die Luxusketten mieten da ja nur wegen des Images, nicht mal die alle machen auch wirklich Gewinn in solchen Filialen ... krankes Weltbild ...

Re: Wieder löst sich einer meiner Fixpunkte in NY in Luft au

Verfasst: 16.11.2018, 12:31
von nordlicht55
die großen Ketten werfen den Gewinn in einen Topf. Da spielt es keine Rolle ob der Laden auf der 5th Ave. Gewinn macht oder nicht. Sie zeigen Präsenz und alles andere ist eigentlich egal. Ich glaube nicht, daß Apple in der 5th. Ave. jeden Monat soviel einnimmt, daß die Unkosten gedeckt sind. Gehört ihnen das Gebäude, sieht es wieder anders aus.

Re: Wieder löst sich einer meiner Fixpunkte in NY in Luft au

Verfasst: 16.11.2018, 17:13
von Marion
Abraxas hat geschrieben:Leider ist das so. Manhattan verkommt zur Shopping Mall. Die gleichen Geschäfte wie in Deutschland in den Fußgängerzonen, oder sonstwo in der Welt. In London das gleiche. In Manhattan sind es entweder internationale Ketten oder der Laden ist leer. Jemand hat mir gesagt den Leerstand können die Besitzer von der Steuer absetzten. Das muss geändert werden. Als ich in den 70er Jahren hier ankam war New York dreckig, gefährlich und kaputt. Aber gleichzeitig auch individuell und exciting. Die geilste Clubscene in der Welt. Es ging ab. Kunst, Musik, Mode, Gastronomie, alles. New York gab den Ton für den Rest der Welt an. Mieten für Apartments waren billig. Leider vorbei. Die jungen Talente die heute nach New York kommen leben ja ausserhalb, nicht mehr in Manhattan. Viel zu teuer. Die Leute sind so konservativ geworden. Ich merke das an meinem Gebäude. 90 Parteien. In den letzten Jahren sind viele ältere Herrschaften eingezogen. Sogenannte "empty nesters". Von den Vororten zugezogen, die Kinder sind erwachsen und ausgezogen. Die Eltern ziehen in die Stadt zurück. Fast alle im Ruhestand. Leider bringen sie die Vorstadt mit in die Stadt. Es darf kein Krach sein. Will eine Bar an der Ecke aufmachen wird sofort protestiert. Will ein Restaurant gegenüber Tische rausstellen wird auch sofort protestiert, zu laut. Und das im Village. Schrecklich. Wenn sie Ruhe haben wollen, zieh nicht ins Village. Es wurde eine Resolution im Haus verabschiedet, dass man in den Wohnungen nicht mehr rauchen darf. Fuck them. Ich rauch trotzdem. Wie auch immer, ich möchte nirgendwo auf der Welt leben wie hier. Habe hier über die Jahre, für meine Begriffe, ein tolles Leben geführt. Leider wird die Liebe zu New York zur Zeit auf eine harte Probe gestellt.
Ich bin sowas von bei dir. Bei mir begann die Liebe zu New York 20 Jahre später, Anfang der Neunziger, da fand ich es noch genial. Inzwischen ist es einfach an vielen Stellen ein vollkommen austauschbares Disneyland mit Pseudo-Familienfreundlichkeit, Überreglementierung und Gängelung.

Die Künstler, das Wilde und das alles, was aus dieser Stadt die geilste Stadt der Welt gemacht hat, existiert nicht mehr. Diese scheiß Gentrifizierung führt dazu, dass irgendwann alle Städte gleich aussehen, mit den gleichen Shops, Restaurants und Bars. Ich war ja in den letzten Jahren öfter in Thailand, mit Bangkok passiert gerade genau das gleiche. Man möchte am liebsten ein zweites Singapur daraus machen, vergisst aber, dass es gerade das Rotzige, Ungeregelte und Nichtstromlinienförmige ist, was die Stadt für Leute so interessant macht. Sie weckt Leidenschaft, so wie New York damals. Entweder man liebt sie oder hasst sie.

Es ist schade drum, aber ich bin froh, dass ich noch Teile davon mitbekommen habe, wie cool New York früher mal war.

Re: Wieder löst sich einer meiner Fixpunkte in NY in Luft au

Verfasst: 16.11.2018, 17:17
von Marion
Randnotiz: Hab ein paar Jahre lang im Kölner Agnesviertel gewohnt. Da gibt es noch diesen schönen Mix von individuellen Restaurants, Shops, Bars usw. Es ist mitten in der Stadt, also ist da natürlich auch nicht immer Grabesruhe. Meine Nachbarin klagte fortwährend über "diesen furchtbaren Lärm"... Dazu muss man sagen, dass unsere Schlafzimmer zum Innenhof hin lagen und es deshalb wirklich, wirklich ruhig war.

Da hab ich mich auch immer gefragt, warum so jemand mitten in die Kölner City zieht, anstatt in einen unserer vielen ruhigen Vororte? Die Leute ziehen in coole Viertel und machen sie dann systematisch kaputt.

Re: Wieder löst sich einer meiner Fixpunkte in NY in Luft au

Verfasst: 16.11.2018, 18:29
von Hawkeye
Marion hat geschrieben: Ich bin sowas von bei dir. Bei mir begann die Liebe zu New York 20 Jahre später, Anfang der Neunziger, da fand ich es noch genial.

Es ist schade drum, aber ich bin froh, dass ich noch Teile davon mitbekommen habe, wie cool New York früher mal war.

Also ich war ja anno 2000 das erste mal in New York. Abgesehen davon das ich damit noch auf dem alten WTC war, und diese Erinnerung nimmt mir keiner mehr...

Die krasseste Verwandlung für mich ja der Brooklyn Bridge Park und die Gegend drum rum gemacht. Damals wollte ich am letzten Tag unbedingt da runter mein Brooklyn Bridge Foto machen, trotz extremen Pisswetters bin ich damals mit meinem Kumpel runter. Zu der Zeit war das da unten noch richtig gefährlich. Alte verlassene Fabrikgebäude und dahinter eingezäunt der Park. Wir beide bei störmendem Regen durch das Stahltor durch und unsere Fotos vorne am Ufer gemacht. Plötzlich bemerkten wir 2 schwarze Typen die ihr Auto quer vor das Tor gestellt hatten und wohl drauf warteten das wir zurückkommen. Wir sind dann allerdings am Ufer entlang und in die andere Richtung gelaufen. Bis wir plötzlich einen Motor hinter uns hörten uns sahen wie die Typen im Auto auf uns zu kamen. Wir sind gerannt und glücklicherweise war das andere kleinere Tor auf der Seite der Williamsburg Bridge nicht verschlossen
und wir sind den Typen davongelaufen.

Einer meiner New York Moments :mrgreen:

Klar die Stadt war früher gefährlicher, anrüchiger usw. aber halt eben auch individuell und hinter jeder Ecke gabs was neues zu entdecken. Und das war auch das New York das mich erwischt hat. Seither war ich 18x da, aber gerade die letzten Jahre verändert sich die Stadt nicht gerade zum positiven :(

Re: Wieder löst sich einer meiner Fixpunkte in NY in Luft au

Verfasst: 17.11.2018, 08:40
von Abraxas
Marion: Ich versteh das auch nicht. Die Leute ziehen in coole Viertel und erwarten ihre dörflich spiessigen Werte. Wenn Du Ruhe willst, dann hau ab und bleib im Dorf. Auf der einen Seite wollen sie Excitement und Urbanität, es muss aber alles ruhig und in massen sein. Wie ich schon erwähnte, es kommen viele ältere Herrschaften in die Stadt. Sie sind die einzigen die es sich leisten können ein Apartment zu kaufen oder eine Wohnung zu Horrorpreisen zu mieten. Leider. Das verändert die Stadt.
Hawkeye: Leider geht das Problem mit New York viel tiefer. Die Infrastruktur ist kaputt. Strassen, Brücken, Elektrizitätswerke, alles hoffnungslos veraltet, einschliesslich der Subway. Die Vorortzüge in die nahen Vororte total marode. Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, der erste Schneesturm for 2 Tagen brachte totales Kaos. Keine Busse, Tausende auf den Bahnsteigen. Ich wundere mich immer dass es nicht mehr Blackouts gibt. Ich seh das auch in meinem Haus. Bei einer Routineinspection wurdet festgestellt das die Gasleitung von der Strasse in das Haus marode ist. Seit zwei Monaten kein Gas, das heisst, mann kann nicht kochen und der Laundryroom ist geschlossen da die Trockner mit Gas arbeiten. Vor dem Gebäude steht eine mobile Heisswasser/Heizungs Unit. Man kann sich wenigstens duschen und hat Heizung. Kostet allerdings 7.500 Dollar im Monat. Die Kosten für das Ganze werden wahrscheinlich irgendwann den Eigentümern der Wohnungen in Rechnung gestellt. Das ganze soll Ende Dezember abgeschlossen sein. Jeder einzelne Gasofen muss gechecked werden. Dauert ewig bei über 90 Parteien. Es wurde uns auch mitgeteilt dass die Bürokratie der involvierten Aemter unglaublich ist. Muss meine Wäsche in ein Waschsalon in der Nachbarschaft schleppen. Alles nicht schön.
Habe auch festgestellt dass in den letzten Jahren Blackouts, Subway outings usw. immer länger dauern. Die Technologie ist total veraltet. Die haben teilweise noch Relays in der Subway. Technologie aus den 30er Jahren. Damals top, heute total veraltet. Das alle zu erneuern kostet Milliarden. Das Geld ist natürlich nicht da. Bin mal gespannt wenn in diesem Winter die ersten richtigen Schneestürme kommen. Gott sei Dank bin ich im Ruhestand. Wenn ich heutzutage die Subway benutze denke in immer, wie habe ich das geschafft jeden morgen und jeden Abend jahraus jahrein in in der rush hour in diesen überfüllten Wagen zu überleben. Selbst ausserhalb der rush hour sind die Wagen oft überfüllt. Ich weiss nicht wie es weitergeht. Wie gesagt, ich bin im Ruhestand. Werde wohl die paar Jahre die ich noch habe überleben.

Re: Wieder löst sich einer meiner Fixpunkte in NY in Luft au

Verfasst: 19.11.2018, 10:08
von Marion
Von außen ist halt vieles High Tech, Glitzer und Glamour und wenn du näher hinsiehst, dann ist vieles veraltet und von Anno Puff. Das ist mir schon oft aufgefallen. Und von extremem Wetter wird ja sehr regelmäßig alles lahmgelegt. Eigentlich ein Armutszeugnis für so eine Stadt.

Re: Wieder löst sich einer meiner Fixpunkte in NY in Luft au

Verfasst: 19.11.2018, 10:42
von gila
First World....

...da sieht man am besten Beispiel, dass man (städtische) Infrastruktur einfach nicht privatisieren sollte. Wenn ich daran denke, wie es bei uns aussieht, wenn eine Wetterkatastrophe zuschlägt... Wir haben ja regelmäßig Hochwasser und da gibt es auch (extrem) schlimme Schäden, aber ein "einfacher" Schneesturm führt vielleicht zu ein paar Zugverspätungen, falls es mal einen Stromausfall gibt, ist das spätestens innerhalb von wenigen Stunden erledigt usw...

Aber es ist halt viel sexier, ein neues Einkaufszentrum zu bauen oder ein neues Hochhaus oder Finanzzentrum als eine seit (Jahrzehnten) marodes Verkehrssystem zu reparieren.