New York Reiseführer - NYC-Guide.de | Ulrikes Abenteuer | 5. Dezember 1999

Ulrikes Abenteuer

5. Dezember 1999


von Ulrike Witte

Den wunderschönen sonnigen Morgen nutzten wir, um zur Brooklyn Bridge zu fahren. Erstmal mußten wir einen Aufgang suchen, aber dann spazierten wir stolz oben lang. Viele Jogger und Radfahrer waren unterwegs. Es waren auch frühlingshafte Temperaturen, dazu der Blick auf die Skyline, so muß Urlaub sein. Wir bekamen Lust auf mehr und gingen Richtung World Trade. Vorher hielt uns aber noch kurz eine nette Kaffeestube auf, wie es hier so viele gibt. Prima Kaffee, Kuchen und dazu der Blick auf die Strasse (habe ich bei uns auch noch nie gesehen, dass Tische so am Fenster stehen, dass alle direkt nach draußen schauen).

Dass das World Trade 412 m sein soll, sieht man ihm nicht an, wenn man davor steht. Weil die Fenster hinter der Verkleidung verschwinden fehlt der Größenvergleich. Zum Glück waren kaum Leute da, also sind wir gleich hoch, bis ins 107. Stockwerk. Ein faszinierendes Panorama. Zwar war es etwas diesig aber dafür wolkenlos. Verblüfft war ich vom Blick nach Norden. Ich hatte vorher keine Ahnung, dass in Manhattans Skyline so eine große Lücke klafft, so richtig hohe Häuser gibt es erst wieder in Midtown. Natürlich mußten wir auch ins "Wackelkino" wo ein Hubschrauberflug über Manhattan simuliert wurde. Der krönende Abschluß war dann der Rundgang auf dem Dach, mit einem Blick über die Freiheitsstatue, Ellis Island, weit nach New Jersey hinein.... die vorbeikommenden Flugzeuge schienen fast auf gleicher Höhe mit uns zu sein... Okay, so ein Erlebnis ist dann auch 12 Dollar wert!

Wieder unten angekommen stürmten wir Century 21, das Billig-Designerklamotten-Kaufhaus. Und wenn die DM nicht gerade so schwächeln würde, hätte ich sicher gut zugeschlagen. Kurios fand ich ja die Umkleidekabinen, viele Kabinen in einem Gang, aber alle ohne Vorhang. Natürlich werden Herren da nicht reingelassen, aber beim Klamottenprobieren ist man es ja gewöhnt, gar nicht beobachtet zu werden. Aber dort war eine Modenschau der Hausfrauendessous und der Cellulite im Gange, dass es eine Pracht war, und eine verwunderte Ulrike mittendrin.

Am Nachmittag fuhren wir dann in den Central Park, picknickten unsere Bagels und genossen die Gegend. Auch wenn Parks im Winter selten attraktiv sind, waren wir beeindruckt: viel Wasser, Felsen (Manhattan steht ja auf Granit), kleine und große Pfade, Brücken... Auf der großen Straße waren viele Fitness-Skater und Radler unterwegs. Etwas weiter südlich war dann noch mehr los, Musiker, Radler, Skater... eigentlich hatte ich gehofft, Inline-Hockey oder Inline-Basketball zu sehen, aber die standen mehr auf Kunstlauf.

War schon witzig, was für bunte Gestalten da durcheinander schwebten, ein dicker Schwarzer rappte sich rückwärtsfahrend durch die Menge, ein Asiat übte emsig den einfachen Achselflipsalchow, viele Zuschauer. Diese nahmen zum Teil sehr regen Anteil an den Selbstdarstellungen der Akteure, es war eine fröhliche, entspannte Atmosphäre. Weiter hinten sahen wir Volleyballer und Frisbeespieler — ich hätte am liebsten überall mitgemacht. Aber Babsi wollte unbedingt noch zur Rockefeller-Tanne, also stiefelten wir gen Süden.

Unterhalb des Central Parks, Richtung 6th Avenue kamen wir an einem tollen Haus vorbei (leider weiß ich nicht, was das für ein Gebäude war): Die dunkle Glasfassade war konkav gekrümmt und fing die Spiegelbilder der Nachbarhäuser ein. Auch hier waren alle Bäume prächtig mit Lämpchen geschmückt. Wir kamen auch an einer Breakdance-Truppe vorbei, die eine gute Show zeigte, Rückwärtssalto gegen die Häuserfassade und noch zahlreiche andere Kunststücke. ...

Nun wurde das Menschengedränge immer dichter — wir kamen zum Rockefeller Center. Nach einigem Suchen fanden wir sie dann auch... die Tanne der Nation! (Zuerst waren wir in der 6th Avenue, aber der Zugang zur Tanne ist von der 5th) Diese Tanne also! Ein Traum aus 1.000.000 Glühbirnchen, so recht nach Amigeschmack. Das ganze Areal war voll von bunten Lichtern, Weihnachtsengeln und Leuten, Leuten, Leuten... Es scheint für jeden (zumindest für sehr viele) Amerikaner ein Traum zu sein, sich vor diesem Baum knipsen zu lassen. Kleine Kinder wurden extra in Weihnachtsstrampler gesteckt, um dann dort abgelichtet zu werden.

Um die Eisfläche herrschte auch großes Gedränge, aber wer irgendwelche Stars erwartet hatte, wurde enttäuscht, es war "einfach so" voll, ohne das was besonderes los wäre. Wir zogen/schoben dann weiter durch die Massen, zum Trump Tower und Tiffany's. In letzterem waren wir auch drin, aber es war ja voll wie an einer Jahrmarktbude. Keine Atmosphäre, die dem Nobelschmuck in den Auslagen entsprach! Klar, jeder Touri wollte so wie wir auch, mal einen Blick hinein werfen ....

Eine Ecke weiter war Niketown. So besonders wie ich es mir vorgestellt hatte, fand ich es nicht. Die Dekoration und die Aufmachung waren sehr schön, aber zum Einkaufen war es nix. Aber vielleicht waren wir nach einem langen Tag auch nur zu müde, um noch mehr Eindrücke aufnehmen zu können.

Zurück liefen wir dann am Central Park entlang, es war schon dunkel, die Straßen aber immer noch verstopft. Dabei gab es kaum normale Autos, fast alles Taxen oder spektakuläre Stretchlimousinen. Wir liefen dann die Westseite des Parks hoch, da, wo die vielen schönen Appartementhäuser stehen. Schade, dass ich keine Ahnung von Architektur habe, dann könnte ich mich sicher daran noch mehr ergötzen. So fand ich sie einfach nur schön, besonders die älteren Gebäude mit ihren Türmchen und Terrassen.

Bald sahen wir auch die Lichter von "Tavern on the Green" durch die Bäume leuchten. Dann standen wir mit kugelrunden Augen davor. Die Bäume rings um das Restaurant waren nicht einfach nur mit Lichtern geschmückt, nein, bis in jedes kleinste Zweiglein waren die Lämpchen gefädelt. Und das waren richtige große Bäume! Von den Stämmen der Bäume war nichts mehr zu sehen, alles war voller Kabel und Leitungen. Ob die das extra jedes Jahr neu ranhängen? Wie viele Leute arbeiten da wie lange, ehe das fertig ist? Es war gar nicht so recht zu fassen. Das bläuliche Licht sorgte für eine sonderbare Atmosphäre, halb gemütlich, halb unheimlich... und in den großen Fenstern spiegelte sich das alles noch.

Naja, ein bißchen mußten wir auch schmunzeln, denn ein zum Hasen zurechtgeschnittener Strauch ist doch eher Amigeschmack, und der "Hirschstrauch" mit den roten Lämpchen wirkte eher wie eine Parodie, obwohl es gewiß nicht so gedacht war.

Auf dem Heimweg kamen wir dann noch am Dakota-Building vorbei, wo John Lennon gewohnt hatte und auch erschossen worden war. Das Dakota ist eines der ältesten (oder sogar das älteste) der Appartementhäuser, die mit ihren prunkvollen Eingangshallen und den uniformierten Portiers eher wie historische Nobelhotels aussehen.

Ein krönender Abschluß war das Essen, Cheeseburger und Chicken Wings mit Honig in einem Fast Food Restaurant. Barbarische Portionen und so richtig schön amerikanisch: der Typ im Anzug, der eine Riesen-Cola wegzischte, die 5-köpfige schwarze Familie mit den zappeligen Kindern – sehr gemischt und sehr interessant.

Später im Hotel sah ich die letzten Minuten NBA NY Knicks gegen Denver Nuggets (Übertragung aus dem Madison Square Garden). Das war also gar nicht so weit von hier! In dem Moment wurde mir so richtig bewusst, dass ich in New York bin!

© 2000-2018 by Marion Reichwein & Thomas Reichwein
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