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New York Stories - Sandwich-Einkauf

(von Thomas Reichwein)

Wissen Sie, was ein Deli ist? Nein? Macht nichts, mir war der Begriff auch komplett neu. Nachdem ich von meiner Frau aufgrund einer Trivial Pursiut-Frage gelernt habe, dass Ernie und Bert schwul sind, zerbrach nicht nur mein kindliches Weltbild, fortan war sie auch für komplizierte Fragen des Alltags zuständig – sprich: Sie wusste natürlich was ein Deli ist.

DeliEs fällt mir etwas schwer, den ersten Kontakt mit einem Deli zu beschreiben. Es glich ein wenig einem sogenannten "Tante-Emma"-Laden, den ich aus meiner Kindheit kannte. Gut, ein wenig größer war er schon und das obligatorische Bonbon-Glas fehlte. Neben der Salatbar, in der es auch noch alle möglichen Sorten an Fleisch in Form von Aufläufen gab, existierte noch eine riesige Kühlregalwand mit unzähligen Getränkedosen. Auf der anderen Seite des Raumes konnte ich eine Art Verkauftstheke erkennen, hinter der ein Asiate Sandwiches für die Auslage präparierte.

Marion beschloss sich mit einem jovialen "Schatz, Du kümmerst Dich doch mal eben um die Sandwiches? Ich besorge die Getränke!" aus der Affäre zu ziehen. Da half auch meine Frage: "Was möchtest Du denn?" nicht viel, da Marion mit "Was Leckeres!" die Situation erneut delegierte! OK, OK, was konnte denn da schon schief gehen? Sicher wäre ich lieber Getränke besorgen gegangen, aber so gefährlich sah das Crocodile Dundee-Messer des Asiaten doch gar nicht aus, oder? Gut er war schnell, beeindruckend schnell, aber ich war der Kunde...

Ich versuchte meine Unsicherheit mit einem aufgesetzten Lächeln zu kaschieren, was in einem blöden Grinsen endete. Ein nettes "Hi" sollte die Situation entspannen – tat es aber nicht. Mein Asiate blickte nicht auf. Mein Englisch wurde ein wenig lauter (nicht unbedingt besser) und ich schaffte es, seine Aufmerksamkeit zu wecken.

EssenAls ich meine Bestellung los wurde und anschließend ein glückliches Lächeln vom Stapel lies, kam kurzzeitig das Gefühl auf, ich hätte einen schlafenden Löwen geweckt. Wer glaubt, dass man mit "Two sandwiches with ham and cheese, please" in Amerika eine Bestellung aufgeben kann, der irrt gewaltig. Ich musste mich entscheiden zwischen Toast, Weißbrot, Graubrot, einer Art Brötchen, Fladenbrot, diversen Käse- und Schinkensorten, ob ich Butter oder Margarine möchte, die Sandwiches mit Mayonnaise oder Senf verfeinert werden sollten usw. usw.

Damit hatte ich nicht gerechnet und sagte einfach in jeder Pause des Angreifers "OK", "Sounds good" oder "Fine". Schweißgebadet schleppte ich mich von meinem Asiaten zur Kasse, wobei ich das Gefühl hatte, dass ich ihm den Tag gerettet hatte.

Marion fragte prompt: "Na, was hast Du uns besorgt?" Ich lächelte nur verschwitzt und antwortete "Och, was Leckeres!".

So, nun wissen Sie auch, was ein Deli ist – ein Ort, an dem Männer nur verlieren können...

© 2000-2010 by Marion Reichwein


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