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New York Stories - Ladies in Sneakers

(von Marion Reichwein)

"Was ist der Plan?", fragte Thomas. "Rechts oder links?", war meine Antwort.

Wir einigten uns diesmal darauf, die linke Richtung einzuschlagen. Es war ein klarer kalter Wintertag und wir beschlossen, die Madison Avenue zu überqueren und weiter bis zur 5th Avenue zu gehen. Meine Kreditkarte hatte ich im Hotelzimmer gelassen. Das Risiko, meinen Kontostand durch Einkäufe auf der 5th noch mehr in den Keller zu bringen, wollte ich nicht eingehen. Die schiere Menge an Luxus, Design und Stil erschlug uns.

ModelWir machten dort auch unsere ersten Erfahrungen wie man als Tourist sofort auffallen kann. Wir blieben mindestens zweimal pro Minute stehen und waren somit den immer auf Eile bedachten New Yorkern ständig im Weg. Dieses Klischee mit den Männern in Anzügen und Frauen, die zu ihren schicken Kostümen Turnschuhe tragen, stimmte tatsächlich. Die Ladies hätten bei dem halsbrecherische Tempo auf Stöckelschuhen auch kaum mithalten können.

Interessant war auch, dass generell nur Touristen an den roten Fußgängerampeln stehenblieben. Die New Yorker rasten munter weiter. Auf ein weiteres touristisches Indiz hatten wir verzichtet – die obligatorische Fotokamera. Diese trugen wir nicht in einer Fototasche oder um den Hals - ich hatte sie dezent in meiner Handtasche verstaut.

In einer Stadt wie New York ist es sowieso unmöglich, die Eindrücke, die auf einen einstürmen auch nur annähernd mit einem Foto festzuhalten. Ich bin keine große Freundin des Fotografierens, wenn Thomas nicht wäre, gäbe es weder von uns noch von irgendeinem Ort, an dem wir jemals waren, ein Bild. Die Erinnerungen, die ich an New York habe, sind unauslöschlich in meinem Gedächtnis verankert, kein Bild könnte mir diese Erinnerungen je ersetzen.

Allerdings konnten wir nicht umhin, uns mit einem weiteren typischen Touristenverhalten zu outen. So oft wir stehenblieben, legten wir den Kopf in den Nacken und versuchten zu erkunden, wo die Wolkenkratzer aufhörten, und es gab viele, bei denen wir das Ende nicht finden konnten. Wenn Sie also je in New York sind und Menschen sehen, die mit offenen Mündern in den Himmel starren, sind das gewiss keine Einheimischen.

© 2000-2010 by Marion Reichwein


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