New York Pass
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BeitragVerfasst: 21.11.2011, 13:59 
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„Once in a lifetime“

Was für den Fußballer das Bernabeu-Stadion in Madrid oder den Opernsänger die Mailänder Scala ist, das ist für den Läufer der New York City Marathon. Durch ein selektives Auswahlverfahren ist eine normale Anmeldung üblicherweise nicht möglich, ein weiteres Startkontingent wird über lizensierte (und sündhaft teure) Reiseveranstalter angeboten.

Ich hatte in diesem Jahr aber das Glück, über eine Einladung des Veranstalters zu verfügen und konnte mich somit schon früh an die individuelle Planung der Reise machen, auf die mich meine Frau als Zuschauerin begleiten sollte.
Als Hotel suchten wir uns das 414 in Hell’s Kitchen aus, motiviert durch einen Tip im Lonely Planet sowie zahlreicher positiver Bewertungen bei Trip Advisor. Die Flüge buchten wir bereits Ende Januar bei AirBerlin. Da dürften wir die ersten gewesen sein, denn es gab für die Sitzreservierung noch alle Plätze im Flieger zur Auswahl; als Vielflieger mit entsprechender Statuskarte wählte ich die 14A/C im Airbus 332, um entsprechenden Fußraum zu haben.

Da ich New York von mehreren geschäftlichen Aufenthalten schon kenne, konnte ich mich nun auf die sportliche Vorbereitung konzentrieren.

Am 2.11. starteten wir von Berlin-Tegel aus mit rund 250 anderen Passagieren mit leichter Verspätung; der Flug verlief störungsfrei, der Service war AirBerlin-typisch gut und wir landeten pünktlich um 13.50 Uhr. Aufgrund der verkehrsarmen Mittagszeit hielt sich die Schlange bei der US-Immigration in Grenzen und bereits eine Stunde nach der Landung saßen wir im Taxi nach Manhattan.

Das Hotel entpuppte sich bereits bei unserer Ankunft als gute Wahl. Wir bekamen ein geräumiges Zimmer im dritten Stock des vierstöckigen Hauses, sehr sauber mit großem Bad und geschmackvoll eingerichtet. Lediglich die Treppen mußten wir steigen, da das Haus keinen Lift hat. Für mich als Sportler absolut egal. Nach dem Ausräumen der Reisetaschen und kurzem Ausruhen begaben wir uns auf eine Entdeckungstour. Das 414 Hotel liegt im Bereich Hell’s Kitchen, genau auf halber Entfernung zwischen Times Square einerseits und dem Hudson mit dem „Intrepid Air & Sea Museum“. Beides erreicht man nach rund 10 Minuten Fußweg. Unmittelbar in Hotelnähe befindet sich der „Restaurant Row“ genannte Teil der 9th Avenue, so daß auch jegliche Wünsche auf Nahrungsaufnahme erfüllt werden können. Wir hatte uns für den ersten Abend jedoch einen Besuch bei der Bubba Gump Shrimp Company am Times Square vorgenommen, was wir auch taten. Die Preise waren erstaunlich moderat bei ordentlicher Qualität des Essens. Das ist ja nicht selbstverständlich bei solchen Locations. Nach einem kleinen Broadway-Bummel gingen wir schlafen.

Nach dem Frühstück (im Preis des Hotels enthalten und vergleichsweise reichhaltig mit Cerealien, Obst, Brot, Bagels, Kuchen, Marmelade, Wurst, Käse, Käfe, Säften etc.) machten wir uns wieder zu Fuß am Hudson entlang auf zum Jacob Javits Convention Centre. Dort werden die Startnummern des New York Marathon auf einer Messe ausgegeben. Und, um ehrlich zu sein: ansonsten muß man dort auch nicht hin…. Allerdings hatten wir auf dem Weg dorthin direkt neben der USS Intrepid den Anleger des NY Wassertaxis erspäht und buchten spontan eine HopOn-HopOff-Tour mit dem Schiff. Diese führt zu Anlegern in Downtown (Nähe Ground Zero), am Southstreet Seaport sowie in Brooklyn direkt an der Brooklyn Bridge. Der Rückweg geht dann mit einem Bogen direkt an der Freiheitsstatue entlang wieder zum Ausgangspunkt. An den einzelnen Stops gibt es einiges zu entdecken, nebenbei ist eine Seefahrt immer lustig ;-), so war das für uns perfekt und beschäftigte uns auch den Rest des Tages. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang waren wir am Rockefeller Center, wir hatten uns entsprechende Tickets für Top of the Rock vorab besorgt. Die Warteschlangen hielten sich aber auch in Grenzen. Der Blick ist, insbesondere für New York-Neulinge wie meine Frau, immer wieder atemberaubend.

Freitag und Samstag vergingen ebenfalls mit Sightseeing und Shopping, auf die Aufzählung der Ziele verzichte ich mal, das ist ja alles hinreichend bekannt. Im Hinblick auf den Marathon am Sonntag war das schon fast „too much“, aber ich hatte es auch nicht anders erwartet. Am Samstag abend reservierten wir uns in der Nähe unseres Hotels einen Tisch bei einem kleinen Italiener (Cara Mia, unweit des bekannten 5 NapkinBurger an der 9th Avenue). Für mich als Läufer war Pasta Pflicht, insofern haben wir auf exotischere Speisen verzichtet. Das Essen war gut und wiederum für Midtown-Verhältnisse nicht zu teuer. Als wir nach dem Essen ins Hotel zurückkehrten, fanden wir auf dem Zimmer ein kleines Paket mit Wasser, Gatorade und einigen Energieriegeln sowie guten Wünschen für den Marathon vor. Ich bin schon häufiger mal „auswärts“ einen Marathon gelaufen, aber außer im Athens Hilton habe ich so etwas noch nie in einem Hotel vorgefunden.

Extra für die Marathonläufer unter den Gästen (fünf bei 22 Zimmern) gab es am Sonntag bereits ab 5.00 Uhr morgens Frühstück. Zusätzlich zum bekannten Umfang gab es wieder Energieriegel, Sportgetränke und einen etwas merkwürdig schmeckenden Kaffee. Gegen 5.30 Uhr lief ich dann los in Richtung Public Library in Midtown, da von dort die Busse zum Start in Staten Island abfahren. Unterwegs begegnete ich einigen Läufern, aber auch zahlreichen heimkehrenden Nachtschwärmern. Die Busfahrt selbst verging wie im Fluge und kurz nach 7.00 Uhr befand ich mich dann im Startbereich an der Verrazano Narrows Bridge in Staten Island. Die Wartezeit in New York bis zum Start wird von Läufern gefürchtet, normalerweise ist es kalt, feucht und unangenehm. An diesem Morgen jedoch ging die Sonne am wolkenlosen Himmel auf, trotz einstelliger Temperaturen war es nicht unangenehm und bei Kaffee und Donuts ließ es sich aushalten. Ich trank noch etwas Gatorade und plötzlich wusste ich auch, warum der Hotelkaffee morgens so komisch geschmeckt hat: die hatten Gatorade mit hinein gemischt. Lustig, würde ich aber nicht nachmachen….

Die Zeit bis zum ersten Start um 9.40 Uhr verging wie im Flug und nach dem von einer Broadwaysängerin geschmetterten „Star Spangled Banner“, den Begrüßungsworten von Michael Bloomberg sowie „New York, New York“, gesungen von Gary Russo (einfach mal googlen…) gings los auf die sportliche Sightseeing-Tour durch die fünf Boroughs. Die Strecke in New York ist recht wellig, anspruchsvoll und den ersten Borough, nämlich Staten Island, verläßt man bereits nach der ersten strammen Steigung über die Verrazano Narrows Bridge. Auf der Brücke sind keine Zuschauer erlaubt, umso mehr gibt es dann aber in Brooklyn. Die teilweise in Dreier- und Viererreihen links und rechts der Straße stehenden Zuschauer machen einen Riesenkrach, dazu kommt die Musik zahlreicher Bands, vor Kirchen singender Gospelchöre usw. So vergißt man fast die wellige Strecke, auf der man kaum einen Laufrhythmus findet. Die Strecke führt vorbei an restaurierten Brownstones und durch schicke Wohngegenden, bevor man zur Halbmarathonmarke über die Pulaski-Bridge Queens erreicht. Dort geht es weiter durch an vielen kleinen Gewerbegebieten (und an einem Schrottplatz mit einem Rolls-Royce Silver Spirit…) über die Queensboro-Bridge nach Manhattan.
Ich hatte mir, einem Tip folgend, meinen Namens aufs Laufshirt geschrieben und diesen wohl schon hunderte Mal gehört. Wenn man bis jetzt schon begeistert war über die Stimmung an der Strecke, wurde man nun überrascht: auf der First Avenue in Upper Manhattan Richtung Bronx ging es erst richtig ab. Es wurde noch lauter, die Anfeuerungsrufe noch deutlicher, was angesichts der in einer solchen Phase eines Marathons beginnenden Schmerzen extrem hilfreich ist.
Bei rund 32km erreicht man die Bronx (und wird begrüßt mit folgendem Schild: „Welcome to Da‘ Bronx, you better run from now“). Auch hier herrscht großartige Stimmung, Kinder reichen Obst und Weingummi und Rapper sorgen für einen guten Rhythmus. Erstaunlich auch hier, wie auf dem ganzen Rest der Strecke: alles macht einen sehr gepflegten Eindruck, man sieht kaum geschlossene Läden, Dreck oder Müll.
Nach dem Abstecher in die Bronx geht es zurück nach Upper Manhattan und über Harlem geht es die 5th Avenue entlang zum Central Park. Nach einigen richtig harten Anstiegen verläßt man den Central Park noch einmal ganz kurz, um dann am Columbus Circle zum Endspurt auf die letzten 800m zurück in den Park einzubiegen.

Wie bei anderen Marathons aus, wird jedem Finisher in New York eine Medaille umgehängt. Im Gegensatz zu anderen Marathons aber wird diese Medaille noch am Abend und auch am nächsten Tag getragen. Auch wenn das nicht so mein Ding, habe ich das ebenfalls getan. Und man wird tatsächlich dauernd auf der Straße angesprochen und beglückwünscht, sowas habe ich noch nie erlebt.

Leider mußten wir bereits am Montag wieder zurückfliegen. Wir baten an der Rezeption um ein Fahrzeug für den Flughafentransfer und pünktlich um 13.00 stand nicht etwa ein Taxi, sondern eine Stretchlimo vor der Tür. Kommentar der Rezeptionistion: „You did the Marathon; it’s better for you the day after“.
Der Rückflug verlief wiederum störungsfrei und eigentlich könnte der Bericht hier zu Ende sein. Allerdings erhielt ich eine Woche nach unserer Rückkehr eine nette Mail des Marathon-Veranstalters: ich darf nächstes Jahr noch einmal….. Und so heißt für mich wohl mindestens: „Twice in a lifetime…“


Hier noch einige Bilder:
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Hotel 414

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Blick von Top of the Rock

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Gruß vom Hotel

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Verrazano Narrows Bridge, morgens um 7.00 Uhr

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Brooklyn, 4th Avenue

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Brooklyn, Bedford Ave.

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Blick von der Pulaski Bridge

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Im Ziel



For this message the author ramsesp has received thanks: 5 Gambadilegno (23.11.2011, 10:00), IscheNYC (21.11.2011, 19:09), Martin M. (21.11.2011, 20:28), pretzi (21.11.2011, 20:10), Starrider (08.01.2012, 16:19)
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BeitragVerfasst: 21.11.2011, 14:50 
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Schöner Insider Bericht vom Marathon :) Im 414 Inn haben wir auch schon gewohnt :D


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BeitragVerfasst: 21.11.2011, 14:59 
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Ein wirklich toller Bericht! :daumen2:


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BeitragVerfasst: 21.11.2011, 15:03 
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Da bekommt man fast Lust das nächste Mal mitzulaufen. Aber nur fast. ;)

Vielen Dank für den interessanten Bericht.

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BeitragVerfasst: 21.11.2011, 15:05 
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Dein Bericht ist Spitze! War mir garnicht bewusst das so viel Wirbel um die Läufer gemacht wird! :daumen2:

PS
Super Leistung die 42km! Deine Zeit?


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BeitragVerfasst: 21.11.2011, 15:16 
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Stark...und Respekt...hoffe du konntest es trotz anstrengung geniessen... :daumen1:


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BeitragVerfasst: 21.11.2011, 15:24 
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greekpower hat geschrieben:
Dein Bericht ist Spitze! War mir garnicht bewusst das so viel Wirbel um die Läufer gemacht wird! :daumen2:

PS
Super Leistung die 42km! Deine Zeit?


Doch, die New Yorker lieben "ihren" Marathon; es gab übrigens am Samstag vorher einen interessanten Bericht über die Strecke in der NY Times
Es war übrigens mit 47.700 Finishern der größte Marathon aller Zeiten....

Meine Zeit war so lala: 4:30:35; ich bin allerdings sechs Wochen zuvor schon Berlin in knapp unter 4h gelaufen und konnte danach berufsbedingt nicht gut regenerieren.


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BeitragVerfasst: 21.11.2011, 18:00 
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Peter Kloeppel von RTL läuft auch jedes Jahr den Marathon mit. Es wird jedes Mal in den RTL-Nachrichten um 18.45 Uhr darüber berichtet. Meine Hochachtung vor allen M-Sportlern. Ich bekomme schon Gänsehaut, wenn ich an das Drumrum denke. Hut ab, das du mitgelaufen bist.

Vielleicht hat der Kaffee durch Traubenzucker etwas merkwürdig geschmeckt...

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Liebe Grüsse
Eure Susi


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BeitragVerfasst: 21.11.2011, 18:49 
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Wow, Respekt! Und auch ein toller Bericht, habe sehr genossen ihn zu lesen. Vor allem das Bild vom TOTR löst bei mir Gänsehaut aus, das ist wunderschön!


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BeitragVerfasst: 21.11.2011, 20:21 
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:daumen1: Herzlichen Glückwunsch eine tolle Leistung und ein schöner Bericht. Dankeschön :daumen1:

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Liebe Grüsse Hannemie :)


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BeitragVerfasst: 21.11.2011, 20:39 
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Starke Leistung und vielen Dank für den Bericht :daumen2:

Mich hätte ja mal interessiert, wie so eine Medaille ausgesehen hat :wink:

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2. Reise September 2013


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BeitragVerfasst: 21.11.2011, 20:59 
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DG10 hat geschrieben:
Starke Leistung und vielen Dank für den Bericht :daumen2:

Mich hätte ja mal interessiert, wie so eine Medaille ausgesehen hat :wink:




Na, aber:

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