New York City Reiseführer - NYC-Guide.de | It's only Rock 'n' Roll, but we like it | Donnerstag, 26.09.2002
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It's only Rock 'n' Roll, but we like it

Donnerstag, 26.09.2002


von Marion und Thomas Reichwein

Am nächsten Morgen stand erst einmal Frühstück auf dem Plan. Das Ritual war schnell erfasst. Am Buffet gab es Kaffee (auch entkoffeiniert), Tee, Milch, Bagels, Toast, Cornflakes, Teilchen jeder Sorte, Marmelade, Cream Cheese etc. Ebenfalls vorhanden war eine kleine Box, in der es Dollarscheine bequem hatten und die dazu diente, eine kleine Anerkennung für das freundliche Personal zum Ausdruck zu bringen, dass permanent die Füllstände der Getränke und der Esswaren kontrollierte.

Der Frühstücksraum selber bestand aus vier Zweiertischen auf der linken Seite und zwei große Achtertische auf der rechten Seite. Direkt am Eingang fand sich eine wirklich gigantische Fernsehwand, die wahlweise NY1 oder CNN präsentierte!

Nach dem Frühstück wollten wir uns auf den Weg Richtung Spring Street machen, wo wir den neuen Apple Store in SoHo und die Ausstellung "Here is New York" mit den Bildern vom 11. September besuchen. Da sich für den heutigen Tag eigentlich Regen angesagt war, schien dieses Programm eigentlich ganz in Ordnung. Wir kauften uns die obligatorische "7-Day Unlimited Ride"-MetroCard und fuhren mit der Subway nach SoHo.

Da wir keinen Zeitdruck hatten, schlenderten wir gemütlich durch die Spring Street und drückten uns die Nase bei einigen Läden platt - von Vivien Westwood über Chanel bis zu Kenzo haben wir alles gesehen und auch alles gefunden. Das einzige, was uns verborgen blieb, waren der Apple Store und unsere Ausstellung "Here is New York". Das lag - wie wir einige Blocks später feststellten - ganz einfach daran, dass Marion und Thomas sich beide und von einander unabhängig bei den Straßennamen vertan haben. Statt der Spring Street war es nämlich die Prince Street.

Marion @ Chanel Nachdem sich also der Irrtum aufgeklärt hatte, fanden wir auch den Apple Store auf Anhieb.

Apple Store in SOHOEr liegt in Mitten einer alten Poststation und ist sehr modern auf zwei Etagen ausgebaut. Neben unzähligen Macs der neuesten Generation (inkl. Peripheriegeräte wie Drucker, Scanner, Digital-Cameras, CamCorder etc.), an denen man wirklich in Ruhe experimentieren kann, findet man auf der Treppe eine Art kleines Theater mit Sitzplätzen und einer riesigen Videoleinwand. Hier stellt ein Apple-Mitarbeiter vor zahlreichem Publikum, dass auch aus PC-Benutzern bestand, Apples neuste Technologien wie das Mac OS X-Betriebssystem oder iTunes in Zusammenarbeit mit Apples iPod vor.

Darüber hinaus finden hier regelmäßig Workshops statt - von "Photoshop" bis "GoLive" wird im Rahmen von kostenlosen Einstiegsseminaren alles gezeigt !!! Außerdem gibt es jede Menge Software und Beratungstische, wo man den Apple-Leuten Löcher in den Bauch fragen kann. Übrigens, wenn man dort etwas kauft, erhält man eine Rechnung auf ganz edlem Apple-Briefpapier und eine wunderschöne Tüte mit großem Apple-Logo...

Nachdem Marion feststellen musste, dass der Apple Store der "schönste Laden gewesen ist, in dem sie jemals war", konnten wir uns dennoch loseisen und fanden schräg gegenüber auch die "Here is New York".-Ausstellung. Die Ausstellung, die in zwei nebeneinander liegenden Räumen zugänglich ist, zeigt eine Auswahl an Fotos, die Menschen am 11. September geschossen haben. Dazu gibt es Videoausschnitte, die man ebenso (auf DVD) kaufen kann, wie Abzüge von den Bildern. Sowohl die Bilder, als auch die Videoaufnahmen mit Interviews von den Überlebenden und den Rettungskräften zeigen ebenso wie die Bilder völlig unbekannte Einblicke in das Inferno dieses Tages.

Wir stöberten noch ein wenig durch die Straßen Richtung Tribeca und als es dann am späten Mittag wirklich anfing zu regnen, beschlossen wir, erst einmal Unterschlupf im Hotel zu suchen.

Anschließend besuchten wir den "Barnes and Noble"-Laden im CitiCorp Building und schauten in aller Ruhe nach Büchern. Danach wollte Thomas schon mal einen Blick auf den Madison Square Garden werfen, wo wir ja später die Rolling Stones live erleben wollten. Es war noch fast drei Stunden bis zum offiziellen Einlass und es gab schon eine riesige Schlange an Menschen aus dem Garden raus auf die Straße. Wir dachten schon, dass nachher ja toll wird, wenn wir erst einmal im Regen in der Schlange stehen dürfen.

Stones @ MSG Durch den inzwischen strömenden Regen stapften wir zurück zum Hotel und bereiten uns auf das Konzert vor. Thomas wurde immer nervöser, weil er noch Zweifel an der Echtheit der über eBay erworbenen Eintrittskarten hatte. Da die Karten ja schon mehrere Monate zuvor erworben wurden, hätte man ja auch keinen mehr belangen können. Gegen 18:30 Uhr machten wir uns dann zu Fuß auf den Weg Richtung Madison Square Garden, der nur ein paar Minuten vom Hotel entfernt lag. Es war schon ein unbeschreibliches Szenario, als der Madison Square Garden im Dunkeln vor uns lag. Auf der Straße vor dem Garden befand sich eine kleine Baustelle, an der am Heizungssystem New Yorks gearbeitet wurde. Diese im Straßenbild von New York sehr bekannten kleinen orange-weißen Türmchen, aus denen jede Menge weißer Wasserdampf strömt, tauchten den MSG in einen mystischen und unheimlichen Nebel ein...

Wie befürchtet war die Schlange in den MSG jetzt schon deutlich länger geworden und die Leute standen schon um den Block. Marion ließ sich aber nicht abschrecken und wir gingen auf ihre Initiative hin an der Schlange vorbei und siehe da, es stellte sich heraus, dass diese Schlange ein Häufchen armer Seelen war, die sich einbildeten, es gäbe bei dem nach drei Minuten ausverkauften Konzert vielleicht noch Karten an der Abendkasse... Marion rauchte noch eine finale Zigarette und wir machten uns anschließend durch die erste Kontrolle, durch die sporadisch alle fünf Sekunden ein paar Leute durchmarschierten. Wir wunderten uns und dachten, dass dies vielleicht der VIP-Eingang ist. Während Thomas sich schon eine Palette an Antwortphrasen zurechtlegte, für den Fall, dass man die üblichen Dinge gefragt würde (ob man Sprengstoff, Alkohol, Videokameras etc. dabei hätte), ging Marion einfach mutig voran und siehe da, es wurde nur die Eintrittskarte begutachtet und ansonsten ein kurzer optischer Blitzcheck gemacht. Die erste Hürde war genommen!

Jetzt ging es in Richtung der Aufgänge und vorbei an den Merchandisingständen. Da fiel uns eine deutsche Fangruppe auf, die mit deutschen Flaggen etc. für Aufsehen sorgte. Da wir ganz nach oben mussten, entschieden wir uns für die Rolltreppen. Vor den Rolltreppen kam dann eine ernsthafte Kartenkontrolle, bei der die Tickets dann - ähnlich wie bei einem Flughafenticket - elektronisch gescannt wurden. Und siehe da, die Karten waren echt! Die zweite Hürde war also auch genommen! Der Blick von den Rolltreppen an der riesigen Glasfassade entlang auf die Straße und Teile der Skyline ist wirklich gigantisch. Dann waren wir endlich und ohne weitere Kontrolle (die Karten wurden also nicht, wie in Deutschland, zerrissen!) im Madison Square Garden!

Er ist einfach gigantisch und sieht wirklich ein wenig aus wie die Köln-Arena. Ein positiver Unterschied besteht aber in der Sitzanordnung, die im MSG steiler ist und somit auch eine sehr gute Sicht bietet, wenn man einen 2 Meter Menschen vor sich hat und in der wirklich hervorragenden Bestuhlung, die wirklich sehr bequemes Sitzen ermöglicht! Das schöne war, dass wir sehr früh da waren (es war kurz nach 19:00 Uhr) und wir in aller Ruhe beobachten konnten, wie sich die fast leere Halle so nach und nach füllte. Unser Platz war (trotz des relativ günstigen Tickets) wirklich hervorragend! Man konnte die Bühne und den Rest der Halle wirklich gut sehen und es war trotz der Höhe nicht zu weit weg. Thomas holte Marion erst einmal eine Cola (gar nicht mal teuer: 0,5 Liter für 3 Dollar!) und wir genossen unseren Platz. Ratet mal, wer sich ein paar Reihen unter uns platzierte? Richtig, unser deutscher Fan-Club, der erst einmal ein riesiges Transparent an der Bande befestigt hat!

Gegen 20:00 Uhr war es dann schon deutlich voller. Plötzlich ging das Licht aus und unter großem Gejubel betrat die Vorgruppe (The Pretenders) die Bühne. Nach einer knappen Stunde und jeder Menge guter Laune später wünschte uns Chrisie Hynde ein schönes Konzert und verschwand samt Band wieder. Als das Licht wieder anging, sahen wir, dass die Halle doch schon fast voll war. Es folgte das obligatorische Aufstehen, Getränke und Hot Dogs holen, was es bei Konzerten halt immer gibt. Hinter uns waren ein paar Mädels mit einer Frau, die den Altersdurchschnitt zusammen mit uns nach unten drückten. Eine der Mädchen kreischte, "Oh my God, I'm so excited!", woraufhin die Frau entgegnete, "Relax honey, it's only the Rolling Stones!".

Irgendwann nach 21:15 Uhr ging dann erneut das Licht aus und sofort gab es einen ohrenbetäubenden Lärm. Da waren sie endlich. Zu den Klängen von "Street Fighting Man" lief zuerst Keith Richard ins Rampenlicht, während Mick Jagger erst kurz darauf erschien und die Bühne voll beleuchtet wurde. Was die nächsten rund zweieinhalb Stunden folgte war wirklich kaum zu übertreffen. Die Leute (mit einem Durchschnittsalter von 45-50!) kreischten, schrieen, sangen, randalierten, als wäre man auf einem Stones-Konzert der wilden 60er! Einfach unbeschreiblich. Besonders laut wurde es, als Mick Jagger mit den Hüften wackelte, seine Jacke wegwarf oder sein T-Shirt hochzog. Teilweise waren die Frauen im MSG wirklich lauter als die Musik!!! Ein wirklich unbeschreibliches Erlebnis! Übrigens herrschte zwar striktes Rauchverbot, aber das Inhalieren von Marihuana und ähnlichen Drogen war wohl nicht verboten... Jedenfalls schoben sich mächtige Rauchwolken mit den exotischsten Gerüchen durch die Tribünen... Ach ja und für die, die sich mehr für Musik, als für Drogen interessieren, hier ist die Playlist:

    Forty Licks
  • Street Fighting Man
  • It's Only Rock and Roll
  • If You Can't Rock Me
  • Don't Stop
  • Live With Me
  • Wild Horses
  • Loving Cup
  • Rocks Off
  • Rip This Joint
  • Tumbling Dice
  • Thru and Thru
  • Before They Make Me Run
  • Love Train
  • Start Me Up
  • Honky Tonk Women
  • Can't You Hear Me Knocking
  • Satisfaction
  • Manish Boy
  • Shattered
  • Brown Sugar
  • Sympathy For the Devil
  • Jumping Jack Flash

Zu "Manish Boy", "Shattered" und "Brown Sugar" kamen die Stones - wie bereits bei der letzten Tour "Bridges to Babylon" - über eine Brücke zu einer kleinen Insel mitten in den Zuschauern. Nach "Brown Sugar" sind die Jungs übrigens mitten durch die Zuschauer gegangen, um dann dort zum ganz normalen Ausgang und hinter die Bühne zu kommen! Ein Alptraum für die Security! Als Zugabe gab es dann eben "Sympathy For the Devil" und "Jumping Jack Flash" und kurz vor 00:00 Uhr war dann alles wieder vorbei und blieb - wie auch bei New York-Aufenthalten - die Frage zurück, ob man das alles wirklich erlebt hat. Allerdings haben wir uns den Cola-Becher als "Beweis" aufgehoben!

Viel schneller, als erwartet waren wir wieder aus dem Madison Square Garden raus in das Dunkel der Nacht. Es regnete noch ganz leicht und wir holten uns zum Abschluss noch bei unserem Smiler's einen Kaffee. Zurück im Hotel waren wir uns einig - das war das geilste Konzert und jede Cent wert! Nachdem wir die Berichterstattung zu dem Konzert auf NY1 gesehen hatten, gingen wir so gegen 1:30 Uhr ins Bett...

© 2000-2010 by Marion Reichwein


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