New York Reiseführer - NYC-Guide.de | Yadayadayada oder addicted to Pete | Freitag, 21.03.2008

Yadayadayada oder addicted to Pete

Freitag, 21.03.2008

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von Marion und Thomas Reichwein

Als gegen 5:30 Uhr der Wecker klingelte war es schon ein wenig so wie mitten in einer Darmspieglung aus der Narkose aufzuwachen. Gott sei Dank hatten wir ja einen Transfer gebucht und als der Köln-Erftstadt-Flughafen-Express eine Stunde später klingelte, waren wir zumindest so fit, dass wir Mum unser Reiseziel zur Sicherheit noch einmal zugrunzen konnten. Überpünktlich am Flughafen Köln/Bonn angekommen, hieß es erst einmal bei Continental einschecken. Inzwischen kennen uns die Leute ja fast schon, was wir mit einer überheblichen Routine in Angriff nehmen wollten und prompt bestraft wurden. Der freundliche Herr an der Vorkontrolle wollte nicht nur wie üblich unsere Flugtickets sehen, sondern auch eine Rechnung in Augenschein nehmen!? Da er in Marion aber den Prototypen des Kontrollfreaks vorgefunden hat, den man bei the way nicht mit so etwas provozieren sollte, lehnte sich Thomas entspannt zurück und beobachtete den Schlagabtausch:

"Wer hat die Reise denn bezahlt?"
"Keine Ahnung, irgendwer wird das schon gewesen sein!"
"Wie lange bleiben Sie denn?"
"Das sehen Sie doch gerade auf Ihrem Monitor!"
"Ja, aber ich will es von Ihnen wissen..."

Marion zeigt ihre Kontrollfreakmappe (dort ist alles vom Kofferpacken bis zum Rückflug exakt nach Zeitschlüssel und Ablaufplan registriert). Der Herr blättert ungläubig durch die Bibel der Reichweins - so etwas hatte er wohl noch nie gesehen. Eine Übersicht mit allen Abläufen, Adressen, Quittungen, Vouchern, Tickets etc. pp.

"Hey, die restlichen Seiten sind für Sie uninteressant!"

Schmunzelnd gab er die Mappe zurück und insgeheim hätte er ja seine Großmutter an den gefräßigen Plapperkäfer von Traal verkauft, nur um ein Foto dieser Mappe zu machen und den Beweis im Bild festzuhalten. Aber so gelangte die "Kladde der Weisheit" wieder zurück in unseren Besitz und es konnte losgehen. Als der Koffer Platz auf der Wage fand, versuchte Marion die Dame beim Checkin einfach niederzulächeln - mit gutem Grund: die Wage des diesmal einzigen Koffers schlug nämlich bei 23,4kg aus... Nach einer kurzen Belehrung ging es dann Richtung Gate. Das übliche Ritual von "Zeigen Sie mal den Laptop" bei der Security und "Hier muss ich noch mal rein" bei Duty Free und dem Buchladen später saßen wir diesmal als erste im Warteraum vor dem Gate, das noch gar nicht geöffnet war. Thomas nahm seine erste Mütze voll Schlaf.

Im Flieger angekommen hatten wir richtig coole Plätze direkt über dem linken Flügel und waren gleich doppelt überrascht. Zum einen gab es einen bei unserer Größe richtig bequemen S-Klasse-Sitzabstand und zum anderen hatte Continental ein neues Entertainmentsystem. Nicht nur, dass jetzt jeder endlich einen eigenen Bildschirm in der Kopfstütze des Vordermannes hatte (bei dem Model "Angströhre" 757-200 ja nicht üblich), es handelte sich auch noch um ein komplettes Touchscreen-System, dass die Auswahl zwischen 20(!) Spielfilmen, ebenso vielen Serien, Musik, Spielen etc. bot. Jeder der Filme ließ sich ganz individuell starten, anhalten, vor- und zurückspulen und es gab jeweils eine Inhaltsbeschreibung und den Trailer - das Ganze sogar mehrsprachig. Das war natürlich geil. Thomas entschied sich für "Lars and the real girl" und Marion für "Arthur Rush". Später kamen dann bei Thomas noch eine Episode von "30Rock" und "King of Queens" und bei Marion "House MD" dazu. Das war wirklich hot, weil man selber das Programm zusammenstellt und selber die Wiedergabe völlig autark steuern kann!

Der Flug an sich war "normal" unruhig, aber leider immer zu den Zeiten wenn a) Reichweins Essen bekommen haben (der Klassiker auf jedem Flug: "Wo ist das Chicken hin? Ah ja, da oben an der Leselampe...") und b) wenn man gerade eingeschlafen war. Thomas schaffte es dennoch insgesamt rund 4 Stunden zu schlafen, was persönlicher Weltrekord sein dürfte.

Als Thomas zwischendurch einmal aufwachte, war Marion weg. Bei einen Rundumschwenk durch das Flugzeug fiel sein Blick auf einen sehr grimmig dreinblickenden dunkelhaarigen, schlecht rasierten Mann, der ein Palästinensertuch auf dem Kopf hatte. Das Tuch war dabei so über seinen Kopf geworfen, dass es ein wenig danach aussah, als ob er kurzfristig Dackelohren damit nachbilden wollte.  Zusammen mit dem bösen Blick war für Thomas klar, dass er gleich an 72 Jungfrauen kommen würde...

Anflug auf Newark International AirportDer Start und die Landung waren diesmal ein wenig gewöhnungsbedürftig, da es hier die stärksten Turbulenzen des ganzen Flugs gab und der Landeanflug auf Newark Liberty International (der wieder einen atemberaubenden Ausblick auf die Skyline bei strahlend blauem Himmel bot) war fast schon ein kontrollierter Absturz (ein wenig so wie die Lufthansa-Maschine vor zwei Wochen in Hamburg, aber mit dem Vorteil, dass alles noch in der Luft passierte). Das eigentliche Aufsetzen war dann aber wieder "safe".

In der Immigrationshalle war diesmal der Teufel los (klar, über Ostern sind halt jede Menge Touris in der Stadt) und es dauerte eine gute Stunde, bis wir vor dem Beamten standen. Obwohl wir einen biometrischen Ausweis hatten und auch an einem Schalter ankamen, der über das Zeichen des biometrischen Passes sowie den Hinweis "E-Pass-Line" verfügte, durchliefen wir das Standardprozedere mit Fingerabdruck und Foto. Dafür waren anschließend die Koffer schon vom Rollband genommen und wir konnten die Bus-Voucher gegen Tickets tauschen, um in den Bus zum Grand Central Terminal zu steigen, der just in time vor dem Flughafen auf uns wartete und nach dem Einsteigen auch direkt losfuhr.

McDonald's vor dem LaQuinta InnEs war zwar etwas stauig, aber der traumhafte Blick auf Manhattan kurz vor der Einfahrt in den Lincoln Tunnel entschädigt natürlich für alles. Als wir im Grand Central Terminal dann in die Subway 7 einsteigen wollte, versperrte uns ein Brocken von einer Frau den Zugang. Marion bat sie zwar höflich genervt "Excuse me, can you please let us through?" aber das stieß auf taube Ohren, so dass Thomas sie einfach mit dem tonnenschweren Koffer beiseite drückte. Der Blick der Dame war unbeschreiblich und wäre sie bewaffnet gewesen, wäre der Bericht jetzt hier zu Ende...

Aretha Franklin @ Radio City Music HallEin halbes Dutzend Stationen und einer teilweise oberirdischen Subwayfahrt mit tollem Ausblick auf Midtown später waren wir schon bei strahlendem Sonnenschein vor unserem Hotel. Wir bekamen ein cooles Zimmer im dritten Stock und konnten direkt auf die Subway (die hier als Hochbahn fährt) und den 24h-McDonald’s sehen. Dort nahmen wir auch unser erstes Meal ein, bevor es mit der 7 wieder Richtung Midtown ging, da ja ein Konzertabend von und mit Aretha Franklin in der Radio City Music Hall auf uns wartete. Das Konzert war eigentlich schon komplett ausverkauft (auch das zweite und letzte Konzert am morgigen Samstag), aber Marion hat es ja wie immer geschafft, noch etwas zu "organisieren".

Radio City Music Hall von innenDie Radio City Music Hall an sich ist ja schon ein Erlebnis, gerade auch von innen - eines der begehrten und inzwischen seltenen Konzerte von Aretha zu erwischen, natürlich erst recht. Um 20:20 Uhr ging es dann endlich los und wir waren restlos begeistert. Die Stimmung war sensationell, Aretha schwebte in einer Art Hochzeitskleid ein und nach rund 90 Minuten war dann schon wieder alles vorbei. Einige Gäste waren enttäuscht darüber, dass das Konzert nur so kurz gewesen war und dass Aretha für rund 10 Minuten die Bühne verließ, um ihrem Sohn das Feld zu überlassen, der mit seinen Eminem-Songs keinen der Fans so richtig begeistern konnte. Die Songs gingen etwa so:

"Hi Alder. Gibssu mir französsisch Dings!"
"Französsisch Dings? Du meinst ein Baguette?"
"Bissu bestusst? Da krieg isch Durschfall von! Nein, du sollsst mir geben französsisch Dings! Das krumme Ding von die Franzosen."
"Ach, du meinst ein Croissant?"
"Ja, Alder, sag isch doch, französsisch Dings."
(frei interpretiert nach "Generation Doof")

Radio City Music Hall von außenAber, man muss sagen, er war ganz Profi und hat seine Nummer eisenhart durchgezogen, auch wenn die meisten Besucher diese Phase zu einem Toilettenbesuch missbrauchten. Für uns war es jedenfalls ein großartiges Erlebnis mitzuerleben, wie Aretha die Kacheln von der Wand sang! Schade, dass wir am 4. Mai nicht in New York sind - an dem Abend singen nämlich Patti LaBelle und Chakakan in der Radio City Music Hall... Gegen 23:00 Uhr waren wir dann wieder im Hotel und schliefen sehr schnell den Schlaf der überarbeiteten und übermüdeten...
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