New York City Reiseführer - NYC-Guide.de | Der Halloween-Trip | 2. Tag
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Der Halloween-Trip

Dienstag, 30. Oktober 2001


von Marion und Thomas Reichwein

Das Frühstück im "Red Roof Inn" war wirklich gut, auch wenn der Frühstücksraum vielleicht etwas zu klein ausgefallen ist (12 Tische bei insgesamt 17. Etagen...). Ein Blick in den blauen Himmel und die warmen Temperaturen ließen und schon wieder unruhig werden - ab in die Stadt. Wir sind zuerst Richtung Madison Square Garden gegangen, weil dort am Abend "Magic Air Johnson" Basketball spielen sollte (wir haben zuvor aus Deutschland versucht, Karten zu ergattern, aber... :-).

General Post Office Die ganze 33. Straße vor dem Garden war voll mit geparkten Polizei- und FBI-Fahrzeugen und jede Menge Fernsehteams und Polizisten wuselten um den Garden. Sicherer konnte man sich einfach nicht in der Stadt fühlen!

Am anderen Ende des Blocks haben wir die Hauptpost bewundert - natürlich mit riesiger amerikanischer Flagge...

Weiter ging es in die völlig andere Richtung: Downtown mit dem Versuch, sich an die Umgebung des ehemaligen World Trade Centers zu nähern (nicht wegen der Absperrungen, sondern wegen der inneren Zerrissenheit und der Hoffnung, den 11. September begreifen zu können).

Woolworth BuildingAls wir am Municipal Building angekommen waren, haben wir beobachtet, dass vor dem Gebäude ein großes weißes Zelt den Eingang zierte, in dem jeder Besucher einen ausführlichen Security-Check passieren musste. Die City Hall war voller Absperrungen inkl. Militärfahrzeugen, so dass man in den wunderschönen kleinen Park gar nicht hineinkam. Richtig traurig wurden wir, als von der City Hall aus links vom Woolworth Building keine Twin Towers mehr zu sehen waren...

St. PaulsErstaunlich und erschreckend zugleich war der Umstand, dass alles rund um den City Hall-Bereich wieder komplett sauber war, so als ob nichts passiert wäre. Wir warfen einen Blick auf das Wohnhaus an der Park Row, wo wir Elke und Olivers Apartment mit bloßem Auge suchten, aber natürlich nicht gefunden haben...:-) Als wir an der Kirche St. Paul's, die jetzt als Schlaf- und Massagestätte für Retter und Helfer des WTC-Bereiches dient, angekommen waren, trafen wir auf ein riesiges Blumenmeer, Transparente, Plakate, Fotos von Vermissten, Flaggen und Stofftiere.

Wenn man all die Einträge liest, die Fotos betrachtet und die Menschen völlig gedankenversunken vor den Plakaten an den Kirchenzäunen sieht, fällt einem nicht mehr viel ein.

Ground ZeroNoch schlimmer wird es, wenn man nur einen Block weiter geht und die rauchenden Trümmer des ehemaligen World Trade Centers sieht. Man erkennt das Century 21, wo wir sonst wirklich jedes Mal shoppen gegangen sind, man sieht die zerstörte Rückseite des Atriums mit dem Wintergarten des World Financial Center - alles ist ein so unglaubliches Szenario, so unnahbar wie im Fernsehen und alles wird überdeckt von diesem wirklich unglaublichen Gestank nach verbrannten Computerteilen und verschmorten Haaren und Gummi.

Manche Leute kommen einem schon mit einem Atemschutz oder mit einer richtigen Gasmaske entgegen - die meisten sind Polizisten, Feuerwehrleute und Arbeiter am Ground Zero... Wir konnten weder den Anblick noch den Geruch in der Nähe des ehemaligen World Trade Centers lange aushalten und haben uns daher entschieden, nach Brooklyn herüberzufahren. Allerdings erwartete uns an der Subway-Station am Municipal Building ein unerwartetes Bild: An der Treppe runter zur Subway stiegen Rauchwolken mit beißendem Geruch auf - begleitet durch das schon zuvor einsetzende Geheule von Sirenen der Feuerwehr und der Polizei. Mutig, wie wir nun mal waren, gingen wir trotzdem in die Station. Ein New Yorker fragte uns "Is there a fire?" und wir antworteten "We don't know, Sir.". Diese Antwort quittierte er nur mit einem Achselzucken und er reagierte wie alle anderen New Yorker um uns herum mit absoluter Ignoranz und ging wie seine Landsleute einfach weiter Richtung Subway. Wir waren wirklich fassungslos, zumal der Rauch so dicht wurde, wie der berühmte Londoner Nebel. Uns wurde das jedenfalls zu heikel und wir beschlossen, unsere Tradition zu ändern und diesmal über die Brooklyn Bridge nach Brooklyn zu gehen und anschließend mit der Subway zurückzufahren (normalerweise geht das Ritual umgekehrt).

Tafel (Brooklyn Bridge)Von der Brücke aus sieht man jetzt den neuen braunen (und hässlichen) Trump World Tower und es wurde gleichzeitig wieder deutlich, welches Monument in der Skyline fehlt - allerdings nur, wenn man das Bild der Skyline früher kannte oder die Tafel auf dem zweiten Brückenpfeiler ansieht, auf der das WTC (Gott sei Dank) noch eingraviert ist...

Fire Department, BrooklynAls wir dann durch Brooklyn wanderten, haben wir eine Feuerwache gesehen, die selbst Feuerwehrleute am 11. September verloren hatte. Den Eingangsbereich zierten Blumen, Fotos, Stofftiere...

Skyline von Brooklyn Bridge An den Brooklyn Heights haben wir dann wieder auf die Skyline ohne das WTC gestarrt und uns die vielen Blumen und Fotos am Geländer der Promenade angesehen und die vielen Kerzen auf dem Boden. Viele Leute sitzen wie wir auf den Bänken und starren in die Leere, wo vorher die Twin Towers die Skyline prägten...

Brooklyn Heights Wie geplant sind wir mit der (diesmal rauchfreien) Subway nach Manhattan zurückgefahren und haben den Washington Square Park besucht. Hier herrschte eine herrliche Ruhe, die nur durch die immer wieder in häufigem Abstand tief über den Himmel jagenden Flugzeuge gestört wurde - allerdings interessiert dies die New Yorker eher gar nicht - nur die Touristen sehen ängstlich in den Himmel. Wir konnten aber nach einiger Zeit der "Gewöhnung" doch noch den Sonnenuntergang genießen...

Washington SquareWir machten uns anschließend auf den Weg zurück zum Hotel. Dort angekommen, haben wir mit Elke und Oliver telefoniert und beschlossen, uns abends noch zu treffen, um die Übergabe der zollgeprüften Tasche mit Dingen aus dem Elternhaus abzuwickeln. Wir sind vom Hotel aus in eine Bar ein paar Blocks entfernt und haben gequatscht - natürlich auch darüber, wie sie und die New Yorker den 11. September erlebt haben...

Übrigens sowohl die New Yorker, als auch die New Yorker Medien (Zeitungen, Nachrichtensender etc.) berichten über die Vorfälle rund um das ehemalige World Trade Center, den Terrorismus und Anthrax sachlich und mit weitaus weniger Panik, als das sämtliche deutschen Medien tun. Es ist überhaupt nichts von Angst oder Hektik zu spüren, nicht einmal, als es eine Terrorwarnung gegen die Brücken Kaliforniens gab (kaum einen amerikanischen Autofahrer hat dies abgehalten, diese Brücken in der Rush-Hour zu befahren). All diese Eindrücke führen zu dem Ergebnis, dass man sich in New York sicherer fühlt, als im panischen und verschreckten Deutschland...

© 2000-2010 by Marion Reichwein


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