New York Reiseführer - NYC-Guide.de | Der Halloween-Trip | 1. Tag

Der Halloween-Trip

Montag, 29. Oktober 2001

Zurück | Weiter

von Marion und Thomas Reichwein

Der große Tag war da: "New York City here we come!". Es würde eine stressige Anreise werden. Drei Stunden vorher am Flughafen zu sein ist an sich ja nicht weiter tragisch, allerdings sieht das anders aus, wenn der Flug um 6:20 Uhr morgens geht... Ach was soll's?! Für New York war uns jedes Opfer recht und so verzichteten wir auf unseren sonntäglichen Nachtschlaf und fuhren frohen Mutes Richtung "DUS", wie der Flughafen Düsseldorf in der Fachsprache heißt.

Ein wenig "irritiert" waren wir dann schon, als wir mit Koffern und guter Laune von unserem 25 km entfernten Langzeitparkplatz in das Terminal A des Flughafens schlenderten und feststellen mussten, dass sich die komplette Lufthansa-Crew noch einmal gemütlich im Bett umdrehte, während sich unser Vergnügen darauf beschränkte, dem Reinigungspersonal bei der Arbeit zuzusehen.

FlughafenschalterImmerhin boten ein paar deutsche Pauschaltouristen, die sich zwar nicht nach New York trauten, aber Antalya für ungefährlicher hielten, ein kostenloses Spektakel mit dem Titel "Hab' ich denn auch das Licht im Kühlschrank ausgemacht?". Wir fragten uns, ob eine kleine Aufklärung der geographischen Lage der türkischen Riviera im Hinblick auf Afghanistan die Laune unserer Alleinunterhalter zunichte machen würde...?


Nachdem wir so gegen 5:00 Uhr morgens nicht mehr alleine in der Schlange vor dem Schalter warteten, bemerkte uns auch endlich das Lufthansa-Personal und checkte uns ein. Wir bekamen auch schon die Bordkarten für den Anschlussflug. Jetzt konnte es also endlich losgehen. In Frankfurt hatten wir eine knappe Stunde Aufenthalt, um in den Flieger der Singapore Air nach New York umzusiedeln. Allerdings plagte uns schon die ganze Zeit ein fürchterlicher Gedanke: "Hatten wir denn das Licht in unserem Kühlschrank ausgemacht?" - Nein, wir fragten uns, was das denn für lasche Sicherheitsvorschriften waren, wenn wir erst eine Stunde vor dem Abflug in DUS (ohne Sicherheitskontrolle) einchecken konnten und unser Gepäck doch in Frankfurt durchgereicht wurde?

Die Antwort bekamen wir am Frankfurter Flughafen. Mit einem Lächeln bewaffnet und mit dem Gefühl zu der Elite der First-Class-Passagierer zu gehören, schlenderten wir lässig an allen Check-In-Prozeduren vorbei in Richtung "Boarding". Unser Traum wurde durch eine Sicherheitsangestellte jäh zum Platzen gebracht: "Moment, bitte warten sie hier, sie müssen noch ihr Gepäck identifizieren!". Während Thomas noch dachte, "Was für ein Blödsinn. Hat unser Gepäck denn jemanden angegriffen, dass wir eine Gegenüberstellung durchführen müssen? Und was ist, wenn das Gepäck uns nicht erkennt und jeden Zusammenhang mit uns leugnet?", ahnte Marion schon nichts Gutes. Und wie so oft, sollte sie recht behalten. Alle durften nach und nach an Bord, bis nur noch die Reichweins einsam und verlassen auf den Bänken in der Wartezone kauerten. Das irritierte dann auf Dauer nicht nur die Reichweins, sondern auch das Security Personal. Schließlich erbarmte man sich uns und wir wurden mitgenommen. "Das ging ja gerade noch einmal gut", dachte Thomas, während Marion ihren Pessimismus beibehielt, und sie sollte erneut recht haben.

Wir wurden auf das Rollfeld des Flughafens geführt, auf dem sich nicht nur die Boing der Singapore Air befand, sondern auch ein kleiner Gepäckwagen mit einem halben Dutzend Koffer. Als wir gefragt wurden, ob unser Gepäck auf dem Wagen sei und wir das verneinen mussten, bekam Thomas wieder einen Anflug von Hoffnung, während Marion... Sie sollte auch hier wieder die bessere Nase haben. 10 Sekunden später kam eine kleine Elektrokarre mit unseren Koffern angeheizt und die Frage stand erneut im Raum: "Sind denn das ihre Koffer?". Erleichtert antworteten wir mit "Ja" und wollten uns triumphierend umdrehen, da wurden wir wieder in unserer grazilen Dynamik unterbrochen. "Aufmachen!" hieß die Parole. Marion sah Thomas mit dem Blick "Wie? Hier? Auf dem Rollfeld? Vor dem Flugzeug? Im Tageslicht?" an und die Antwort auf alle Fragen hieß "Ja"!

Es war offensichtlich tatsächlich so, dass der Flug von Düsseldorf nach Frankfurt als Inlandsflug gewertet wurde, der keiner besonderen Sicherheitsvorkehrungen bedurfte und der Bundesgrenzschutz jetzt dafür sorgen musste, dass unser Gepäck auch "clean" ist. Da standen wir also, einsam und verlassen vor unserem Flugzeug, von Sicherheitsbeamten umringt, die mit geteiltem Vergnügen jedes einzelne Element unserer Koffer in die Höhe hielten und wendeten. Richtig lustig wurde es dann noch, als die erste Gangway vom Flugzeug weggerollt wurde und wir zeitgleich noch die Tasche mit Sachen vorzeigen mussten, in der noch Mitbringsel für unsere New Yorker Freundin Elke waren, die zuvor von ihrer Mutter liebevoll zusammengestellt worden waren. Hat schon mal jemand einem Sicherheitsbeamten erklärt, wozu man in diesen Tagen einen Räucherengel in die Staaten importieren sollte? Nein? Wir auch nicht... Uns tröstete leider auch nicht, dass ein weiterer Passagier mit uns auf dem Weg nach New York war, dessen Gepäck GAR NICHT auf dem Rollfeld zu finden war...

Nachdem alle unsere Koffer diese Inspektion überstanden und mit dem gelben Band des Grenzschutzes geadelt wurden, dachten wir, dass dies die schlimmste Situation unseres Fluges gewesen sein musste - diesmal hatten wir beide unrecht. Als wir das Flugzeug betraten, haben wir versucht der Stewardess zu erklären, weshalb wir so spät waren, aber sie wiegelte nur ab und sagte schmunzelnd, "Ich weiß, wir alle haben sie auf dem Rollfeld beobachtet!". Mit rotem Haupt trabten wir zu unseren Sitzen und wir saßen beide noch gar nicht, da rollte die Maschine auch schon an...

Der Flug mit Singapore Air war aber dann wirklich riesig. Begrüßt wurden wir mit einem heißen Waschlappen (Vorsicht, wirklich heiß und keine asiatische Spezialität zum Essen!). Jeder Passagier hat seinen eigenen Fernseher in Form eines Videodisplays und kann sich durch 22 aktuelle Kinofilme, diverse Nintendo-Spiele und die aktuellen CNN.com-News zappen. Die Fernbedienung kann aus der Armlehne des Sitzes rausgenommen werden, so dass man auch für die Spiele richtig "agieren" kann. Das Essen ist wirklich gut (etwa wie bei Lufthansa) und wird mit eigener Speisekarte angekündigt, auf Wunsch bekommt man auch als Holzfäller Champagner (! Was für ein Service, nachdem wir auf dem Lufthansaflug lediglich beobachten durften, was in der Business-Class serviert wurde...), die Stewardessen lassen einen in Ruhe schlafen, wenn man das will und man bekommt ein Survival-Paket mit Socken, Decke und Zahnbürste... Angenehm war auch, dass die Maschine vielleicht knapp zur Hälfte ausgebucht war. Bei soviel Komfort fällt einem der fast 8 Stunden Flug doch sehr leicht. Ein wenig eindösen und das Ausfüllen der Einreiseformulare (wie immer: zweimal grün, einmal weiß) und schon waren wir da...

Beim Anflug auf New York hat sich natürlich jeder aus dem Fenster "gelehnt", um einen Blick auf die vormittägliche Skyline Manhattans zu ergattern. Ich weiß zwar nicht, wie es den anderen ging, aber wir konnten leider nichts erkennen. Das kann damit zu tun gehabt haben, dass wir auf der falschen Seite gesessen haben oder auch damit, dass die markanten Twin Towers jetzt fehlen... Auf dem Rollfeld haben wir übrigens eine Concorde beobachten können - das ist wirklich, wirklich klein dieses Flugzeug, aber wunderschön...

Als wir aus dem Flieger in die Immigration kamen, traf uns der Schlag. Da, wo sich sonst immer hunderte von Menschen drängelten, war wirklich gar nichts zu sehen. Es war total leer, keine Menschenmengen, keine Dispatcher bei der Arbeit, wir konnten im Prinzip direkt durchgehen!? Ob das jetzt daran lag, dass wir eine für Touristen untypische Reisezeit gewählt hatten, ob die Uhrzeit (11:00 Uhr morgens) Schuld war oder der 11. September, keine Ahnung - auf jeden Fall war es erschreckend und bequem zugleich...

Als wir so schnell wie noch nie zuvor alle Stationen eines Flughafens passiert hatten, machten wir vor dem Ausgang des JFK-Airports erst einmal eine Zigarettenpause (Marion machte eigentlich die Pause nach einem so langen Flug ohne Nikotin und Thomas war dankbar, dass er nicht extra das Rauchen für diese Pause anfangen musste). By the way, das Wetter war ein Traum - strahlend blauer Himmel und wirklich angenehm warm.

In dem Tempo, in dem wir den Flughafen passierten, bekamen wir auch ein Taxi. Der Dispatcher brauchte praktisch gar nichts zu tun und schon saßen wir in einem Yellow Cab Richtung Midtown Manhattan. Übrigens gibt es einen neuen Fixpreis für die Strecke von $38 (inkl. Fees, aber ohne Tip).

Die Fahrt durch Queens war sehr schweigsam. Wir beobachteten beide die Häuser, Busse, Taxen und Autos... Alle, ausnahmslos alle öffentlichen Gebäude (Schulen, Supermärkte etc.) und Fahrzeuge (Busse, Taxen) waren mit einer amerikanischen Flagge versehen. Auch die meisten privaten Fahrzeuge und Häuser waren mit der Flagge verziert. Man kann davon halten, was man will, aber es wirkte weder kitschig noch pathetisch - es war einfach ein unglaublich ergreifendes Szenario.

Flughafen JFK Richtig schlimm wurde es für uns, als wir Manhattan in Sichtweite hatten und die Skyline einfach nicht wieder zu erkennen war. Sie wirkte absolut kastriert und sah aus wie Chicago, Seattle or whatever... Erst da wird einem bewusst, was für ein Monument aus der Stadt "entfernt" wurde. Kurz nachdem man versucht zu akzeptieren, dass das, was man da auf sich zukommen sieht die Realität ist, kommt auch schon eines der riesigen Plakate am Straßenrand in Sicht, auf dem sonst für Budweiser & Co geworben wird. Nur dieses riesige Plakat am rechten Straßenrand war anders - es war völlig schwarz und trug in großen weißen Lettern den Schriftzug "Welcome to the city of heroes!". Spätestens jetzt stand uns beiden das Wasser bis zu den Augenbrauen.

Als es dann zum Queens-Midtown-Tunnel ging, erschienen die ersten Straßensperren (wenn man das überhaupt so nennen kann). Die Polizei und die Nationalgarde zeigen mit Militärfahrzeugen Präsenz und kontrollieren jedes Fahrzeug, dass größer ist als ein PKW gründlich und mit Maschinenpistole im Anschlag.

In Manhattan selbst ging das Flaggenmeer weiter. Kurz vor dem Herold Square kamen wir dann in einen Stau und unser Taxifahrer fing eine Unterhaltung mit uns an und brach so das Schweigen. Wir erzählten ihm, dass wir New York lieben würden und schon zigmal in der Stadt waren und uns gerade jetzt freuen, hier zu sein. Er war stellvertretend für die New Yorker sehr "dankbar" und sagte mit Hundeblick "The city needs you!", was uns beinahe den nächsten Wasserschub versetzte. Er erklärte uns weiterhin, dass uns (als Touristen) jetzt die Stadt zu F¸‹en liegen würde und wir überall mit sehr viel günstigeren Preisen rechnen können, außerdem würde das Wetter die ganze Woche super werden. Da konnte ja nichts mehr schief gehen, oder? Als wir mit dem Taxi in die 32nd Street einbogen, landeten wir mitten in "Little Korea". Dieses Viertel ist wirklich wahnsinnig interessant und trotz der ungewohnten Umgebung absolut sicher! Wir fielen also in das "Red Roof Inn" ein und bettelten um Einlass... :-) Das Hotelzimmer war wirklich tadellos. Es war - wie der Rest des Hotels - frisch renoviert, hatte einen Getränkeautomat auf dem Flur (schluckt alle Münzen und ist so der ideale Kleingeldverwerter!) und einen Fernseher mit Nintendo- und Internet-Zugriff (Infrarot-Keyboard inkl.).

Manhattan MallNach einer Pause des Staunens über das Preis-/Leistungsverhältnis und dem anschließenden Kofferauspack-Ritual, haben wir beschlossen, noch ein "Gängelchen" zu machen - schließlich war es ja gerade mal "Noon" und unsere Müdigkeit war mit einem Mal wie von Zauberhand verflogen. Der Weg führte zuerst in die Manhattan Mall, die sich ja direkt um die Ecke befindet. Hier setzte sich das Bild vom Flaggenmeer fort. Es waren auf jeder der fünf Etagen ein halbes Dutzend riesiger Flaggen befestigt.

Times SquareWir sind dann weiter gegangen Richtung "Times Square" und waren erneut absolut verblüfft. Von wegen, es sind keine Touristen in New York! Der Times Square war wirklich brechend voll und auch hier wieder lauter amerikanische Flaggen und "United we stand"-Plakate.

Einfach ein wunderschöner und ergreifender Anblick.

Rockefeller CenterAls wir uns vom Anblick der vielen Eindrücke loseisen konnten, gingen wir zum "Rockefeller Center". Dort war die Passage, die zum eigentlichen Platz mit der Schlittschuhbahn führt, voller gelber Blumen, die für die Amerikaner die Farbe der Trauer darstellt. Jedes Mal, wenn im Krieg jemand vermisst wird, werden die Häuser mit gelben Bändern versehen...

Public Library Abschließend schlenderten wir noch zur "Public Library" und bewunderten die beiden Löwen vor dem Eingang, die riesigen "NY-Yankees"-Mützen trugen. Es lief ja gerade die Baseball World Series und die Yankees waren Finalteilnehmer!

Nachdem wir dann schon leicht müde im Dunkeln ins Hotel zurückkamen, hat Marion erst einmal mit "Onkel Hermann" telefoniert, weil wir Mittwoch seine legendäre Brooklyn-Tour mit dem VW-Bus gebucht hatten. Wir legten den Termin auf 10:00 Uhr morgens und machten es uns mit den Golden Girls vor dem Fernseher gemütlich, bis wir dann so gegen 21:00 Uhr nach mehr als 40 Stunden auf den Beinen einschliefen. New York, here we are - es war schön, wieder zu Hause zu sein...
Zurück | Weiter

© 2000-2018 by Marion Reichwein & Thomas Reichwein
Bookmark and Share


Amazon