New York Reiseführer - NYC-Guide.de | The Guys from the Picture | Samstag, 15.11.2003

The Guys from the Picture

Samstag, 15.11.2003

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von Marion und Thomas Reichwein

Es war wieder soweit – New York City, here we come. Doch bevor wir endlich wieder in unserer "Heimatstadt" ankommen sollten, waren – wie immer – noch einige Hürden zu meistern. Die erste dieser Hürden hieß natürlich Flughafen Düsseldorf. Wir waren diesmal sehr gut in der Zeit, hatten auch nichts vergessen und die neue Autobahnstreckenführung direkt zum Flughafen (statt durch Düsseldorf zu eiern) war ganz nach unserem Geschmack. Das erste Problem, auf das man zuläuft, wenn man ankommt, ist ja die Parkplatzsuche. Klar hätte man sich auch von der Familie dorthin bringen lassen, aber wir wollten eben bei der Rückkehr lieber für uns alleine dem Urlaub nachtrauern und keine Interviews nach 24 Stunden ohne Schlaf geben – jeder, der schon mal in Amerika war und sich einen Jetlag eingefangen hat, kann dies wahrscheinlich direkt nachvollziehen.

Wo waren wir? Ach ja, Parkplatz. Es gibt Dinge, über die kann man sich aufregen und es gibt solche, über die muss man sich einfach aufregen. Thomas fragte sich, wieso er Kabelträger geworden ist und nicht einfach ein Parkhaus am Flughafen gebaut hat? Marion dagegen hoffte nur, dass Thomas Anfall so schnell wie möglich vorbei sein würde. Nach der Lächel-Therapie (Marion) und einem gegrummelten "Meine ja bloß..." (Thomas) war die erste Hürde genommen und der Wagen parkte für schlappe 55,- Euro im Parkhaus.

Marion @ AirportJetzt schnell zum Check-In und noch Fensterplätze reservieren... So war jedenfalls der Plan, nachdem uns beim Kauf der Flugtickets gesagt wurde, dass bei Air France keine Platzreservierung im Vorfeld möglich sei, waren wir frohen Mutes, dass dies jetzt möglich wäre. Leider war dies eine Fehlinformation – Platzreservierungen waren im Vorfeld möglich, so dass wir nur noch aus dem schäbigen Rest auswählen konnten, der natürlich keine Fensterplätze mehr vorsah...

Also, auf nach Paris! Vor dem eigentlichen Boarding haben wir uns dann die Zeit mit Warten, Rauchen (guess who) und Lesestoff kaufen verbracht... Endlich im Flieger, konnte es losgehen. Dachten wir – Air France sah das aber anders. In Paris war es so nebelig, dass wir in Düsseldorf warten mussten...

Nach über dreißig Minuten rollte man uns (inkl. dem Flieger) dann zur Startbahn. Kurz nach dem Start kamen auch schon die Stewards und servierten "Kräääckärs" oder "Biskuits". Nachdem die Dame rechts von uns "Biskuits" bestellte, wollte es sich Marion einfach machen und sagte "For me too". Jetzt kann man das mit dem "too" natürlich auch anders verstehen (zumindest in Frankreich). Der Steward verstand "two" und knallte sichtlich genervt über so viel raffgieriges Verhalten zwei Tütchen Biskuits auf den Aufklapptisch. Thomas winkte freundlich schwitzend unter Dauergegrinse ab und schnappte sich Marions zweite Biskuit-Tüte... So viel zur deutsch-französischen Freundschaft. Marion meinte später, dass sie einfach vergessen hatte, dass die Franzosen ja kein Englisch sprechen...

In Paris gelandet, stellten wir fest, dass tatsächlich so viel Nebel war, dass wir kaum noch den eigenen Flügel des Flugzeugs erkennen konnten. Marion sah schon während des gesamten Fluges permanent auf die Uhr und rechnete nach, ob wir den Anschlussflug noch bekommen würden. Thomas beruhigte sie mit dem Hinweis, dass bei Nebel auch die abfliegenden Flüge betroffen wären. Air France war sich dessen wohl nicht so sicher, da wir von einem zweiköpfigen weiblichen Drillteam des französischen Bootcamps empfangen wurden, die erst einmal leicht nervös "Nüh Yorque" und "Chiikahgoh" in die Runde riefen. Demütig vor den Autoritäten reihten wir uns brav ein und folgten anschließend im Laufschritt den beiden Anführerinnen. Nach ca. 15 Minuten Flughafenhopping erreichten wir endlich das Boarding für unseren Flug. Als die ersten Amerikaner hinter uns ein Schwätzen hielten, strahlte Marion über das gesamte Gesicht und meinte, "endlich heimische Töne"...

Aber wir wären ja nicht die Reichweins, wenn es bei dem Strahlen bleiben sollte. Endlich auf unseren Sitzen angekommen, das Handgepäck verstaut, die Gurte umgelegt und auf das Essen wartend, kam eine Durchsage des "Kapitäähns". An der Reaktion der französisch sprechenden Passagiere konnten wir schon ableiten, dass irgendetwas Aufregendes passieren würde. Auch die italienischen Gäste änderten schnell die Gesichtsfarbe bei der Durchsage in Italienisch und unsere Farbe wechselte, als der Lautsprecher in gebrochenem Englisch verkündete, dass uns die Frachtklappe abgefallen wäre und eine kleine "Reparatür" von ca. anderthalb Stunden anstände...

OK, die Frachtklappe war wohl noch dran (war sie doch, oder?) und wahrscheinlich haben die nur das Schloss getauscht oder so – anyway, jetzt hieß es erst einmal ganz ohne Essen und Entertainment auszukommen... Aus den anderthalb Stunden wurden zwei und die Maschine hob tatsächlich knapp vor Ende der Startbahn ab in den Pariser Nebel. Gott sei Dank gab es relativ schnell Essen, das Marion fast schon mit Folie verschlungen hatte (man kann ja auch eine kleine Frau nicht so lange ohne Fütterung auskommen lassen). Übrigens war das Essen für Flugzeugverhältnisse wirklich gut, was man von dem Entertainment-System nicht sagen konnte. Die durchaus in die Jahre gekommene 747 (auf der anderen Seite des Gangs fehlten zum Beispiel die Sitzverkleidungen von der Armlehne und das mit der Frachtklappe war ja auch nicht so ganz ohne...) hatte nur einzelne Leinwände und keine privaten Monitore in den Kopfstützen...

Während sich Thomas mit "Pirates of the Caribbean" vergnügte, hatte Marion zu viel damit zu tun, den Film zu ignorieren und die Bakterien der Dame am Fensterplatz abzuwehren, die dermaßen erkältet und vergrippt war, dass sich Thomas der Gedanke aufdrängte, ob es sich für sie überhaupt noch lohnte, nach New York zu fliegen... Einige heftige Turbulenzen während des Fluges hätten das Problem fast "natürlich" gelöst... Wieso eigentlich immer beim Essen?

Nach insgesamt fast 13 Stunden im Flieger (inkl. dem Paris-Flug) kam JFK in Reichweite. Für Marion das Signal, das "New York City, here we come"-Lächeln aufzusetzen. Dieses Lächeln blieb auch dann noch erhalten, als wir im Sonnenuntergang über die Sümpfe von Queens nach Rockaway Beach einschwebten und zur Landung ansetzten. Ein wenig nerviger waren da schon die gut 15 Minuten, die wir über die Rollfelder von JFK eierten, bis wir endlich an der Parkposition angekommen waren.

Nun kam unser Lieblingsspiel. Handgepäck rauskramen und so schnell wie möglich zum Ausgang. In der Praxis sieht das immer so aus, dass man diverse Koffer auf den Kopf bekommt, die Leute sich breit machen und einem auf die Füße trampeln, ohne dass man noch Kontrolle über seinen Gehablauf bekommt, weil man mit der Masse rausgedrückt wird. Als wir also endlich aus dem Flugzeug "geploppt" kamen, ging es zur INS. Da wir keine US-Staatsbürger sind, mussten wir uns also in den Haufen einreihen, in dem wir alle anderen „Aliens" vorfanden. Tja, was sollen wir sagen? Die Schlange wickelte sich rund sieben Mal von links nach rechts und umgekehrt, bis man sich endlich in der Schlange aufreihen durfte, aus der man dann auf einzelnen Beamte zugeteilt wird.

An dem wilden Gefluche konnte man schon die Menschen herausfinden, die zum ersten Mal in Amerika ankommen und diese Prozedur noch nicht kennen... Zugegeben, diesmal war es wirklich hart – es hat fast noch einmal eine Stunde gedauert und das ohne Toilette... Allerdings haben wir es auch schon erlebt, dass wir direkt zum Schalter mit dem INS-Beamten vorrücken konnten.

Nach insgesamt fast 15 Stunden Reisezeit traten wir endlich aus dem Terminal in die "Freiheit". Da war er wieder, der Duft der Straße und das wilde Gehupe mit all dem "Yo-Man-Slang" wie es ihn eben nur an einem Ort der Erde gibt. "New York City, here we are". Marion gönnte sich das lang ersehnte Zigarettchen (Thomas war sehr stolz auf sie, da sie weder gejammert noch gewehklagt oder ihre Laune verloren hat – beim ersten Langstrecken-Nichtraucher-Flug hatte sie noch völlig entnervt in London neben dem Cerosin-Tankwagen auf dem Rollfeld geraucht!).

JFKUnd dann waren wir schon auf dem Weg zum Taxistand. Gott sei Dank ging es mit Hilfe des Dispatchers in weniger als einer Minute schon los.

Die Fahrt begann etwas wild (es gab eine kleine Vollbremsung, die uns das Abzeichen der "NYC Taxi and Limousine Commission" bzw. die gestanzte Taxinummer inkl. der Nummer für Beanstandungen und Fundbüro ins Gesicht drückte). Aber ein versöhnliches "Sorry" und die Rush hour, die es in New York scheinbar auch samstags gibt, gaben uns Gelegenheit, in Ruhe unsere Stadt zu betrachten. Es ist auch zum zehnten oder elften Mal (wir haben aufgehört zu zählen) immer wieder ein umwerfender Augenblick, wenn sich die Skyline von Manhattan abzeichnet und man sein Empire State Building, sein Chrysler Building, seine Brooklyn Bridge etc. wiedersieht... Mama, I'm coming home...

Ach, für King of Queens-Fans – wir sind auch an der Unisphere im Flushing Meadows Park vorbeigefahren (die Weltkugel, vor der Doug und Carrie im Vorspann rumtollen). Das Apartment von Elke und Oliver (an dieser Stelle noch mal lieben Dank für eure Großzügigkeit), das sie uns während ihres Urlaubes überlassen haben, liegt mitten in Downtown, so dass uns unsere Fahrt über die Williamsburg Bridge nach Chinatown und dann zum Ziel führte (keine Ahnung, ob dies der schnellste Weg war, aber das war uns auch egal).

In dem Gebäude gibt es diverse Doormen und Handymen, die vorher alle von Elke über unsere Ankunft informiert wurden. Und das folgende Ritual sollte sich bei jedem ersten Treffen mit den jeweiligen Hütern und Beschützern des Hauses abspielen: "Hi, we are Marion and Thomas from Germany.". "Oh, you are the guys from the picture!". Elke und Oliver hatten nämlich ein gemeinsames Foto mit Pfeilen und dem Hinweis versehen, die Schlüssel bitte an uns auszuhändigen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich "You are the guys from the picture" zum Running Gag.

Also nichts wie ab in den Fahrstuhl und rein ins Apartment, die New York Times aufsammeln und mal wieder wie ein richtiger New Yorker leben. Das ist ein Gefühl... Elke und Oliver hatten alles wirklich großartig vorbereitet. Es gab eine grandiose Aussicht auf den Wiederaufbau des World Trade Centers, auf das Woolworth Building, auf das Empire State Building – gut, das hatten die beiden nicht extra für uns bestellt, aber der volle Kühlschrank und die MetroCards, die wir in der Zeit benutzen durften waren ein Geschenk des Himmels!

Ground ZeroWoolworth BuildingEmpire State Building


Während Marion also die Koffer auspackte, zappte sich Thomas von Kanal 1 (unser geliebtes NY1) bis zu Kanal 1.034 (!!!) durch (OK, es sind auch noch Pay-per-View-Sender, lokales Fernsehen und Radiosender dabei, aber trotzdem...). Für jemanden, der mit drei Fernsehprogrammen und teilweise noch Schwarzweiß-Fernsehern aufgewachsen ist, war dies das Paradies – Thomas dachte zwischenzeitlich daran, dass die Frachtklappe wohl doch nicht gehalten haben kann und dies tatsächlich das Jenseits sein musste... Sensationell, wenn man sich täglich von "Friends", über "ER", "Third Watch", "Without a trace", "Scrubs", "Six Feet Under" bis hin zu "Seinfeld", "King of Queens", "Sex and the City" und den "Cosbys" zappen kann... All unsere Lieblingsserien in einer Remote Control... Und der Online TV-Guide, mit dem man das komplette Fernsehprogramm schneller überblicken kann, als mit jeder Zeitung (es lässt sich nach Zeit, nach Genre und nach Titel der Sendungen sortieren, so dass man gezielt nach "Seinfeld" oder nach "Sitcoms" suchen kann!)...

Nachdem sich Thomas schon fast schwindelig auch durch die beiden deutschsprachigen Kanäle zappte (alles doch sehr verstört, was da von unseren deutschen Kollegen ausgestrahlt wird – a la Kluge TV...), hatte Marion schon die ersten Stullen mit Erdnussbutter geschmiert und wir waren endlich "zu Hause" angekommen.
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© 2000-2018 by Marion Reichwein & Thomas Reichwein
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