New York Reiseführer - NYC-Guide.de | Oi, joi, joi oder wie viele Füchschen sind ein Dollo? | Dienstag, 15.05.2007

Oi, joi, joi oder wie viele Füchschen sind ein Dollo?

Dienstag, 15.05.2007

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von Ingrid und (in den Mund gelegt von) Thomas Reichwein

Liebes Tagebuch, der Abreisetag verlief alles andere als planmäßig. Wir verabredeten, dass ich die S-Bahn um 08.05 Uhr von Weiden-West zum Flughafen Köln-Bonn nehmen sollte und Marion und Thomas wollten am Kölner Hauptbahnhof zusteigen. Wenn die Straßenbahn zur S-Bahn nicht 15 Minuten Verspätung gehabt hätte, hätte ich die S-Bahn sicher nicht verpasst... Jetzt kann ich wieder ankriechen und darf mir während des ganzen Flugs blöde Bemerkungen anhören, dass ich ja nie pünktlich wäre. Gut, ich habe meine Kinderchen schon mal vergessen am Flughafen abzuholen oder schon mal verschlafen, als wir gemeinsam fliegen wollten, aber ist das etwas ein Grund, mir das jahrelang nachzutragen? Ehrlich, Saublagen diese Kinder, elendige Saublagen...

Wie gut, dass ich ein Handy hatte... Marion und Thomas mussten also am Flughafen 20 Minuten warten, bis ich mit der nächsten S-Bahn ankam. Ich wußte ja, was mich erwartete - Gelächel, Gespött und ein Geschenk??? Ein Geschenk in einem kleinen Koffer! Darin befanden sich sicher lauter tolle Überraschungen! Bestimmt haben sie mein Flugticket in eine Rentenversicherung umgewandelt, so dass ich nicht mehr arbeiten brauche oder ich bekomme endlich meinen Platz in der schattigen Pinie oder vielleicht doch endlich einen tollen Plasma-Fernseher, mit dem ich die Lindenstraße in Dolby-Souround erleben kann? Ob Mutter Beimer im 16:9-Breitbildformat noch breiter wirkt?

Völlig nervös nahm ich den Koffer an mich, als ich erfuhr, dass ich damit den langen Flug überbrücken sollte. Komisch, ob ich den Plasma-Fernseher im Flieger überhaupt aufgestellt bekomme? Ich hätte es ahnen müssen, kaum im Flieger - wir waren natürlich die Letzten beim Checkin und hatten somit keine Zeit für einen letzten guten deutschen Kaffee - durfte ich den Koffer öffnen und siehe da, ein Sudoku Rätselbuch, ein Mäppchen mit Bleistift, Radiergummi und bunten Kugelschreibern, für ein Nickerchen ein Etui mit einer schwarzen Schlafbrille, Ohrstöpsel und Kopfhörer. Fragend sah ich in die Runde - bin ich hier im Kindergarten? Buntstifte und Radiergummis? Hallo!? Gerade wollte ich losschimpfen, als mir ein Hinweis gegeben wurde, dass sich doch noch ein Geschenk im Koffer befinden würde. Bestimmt ein Gutschein über einen Fernseher! Wie ein NYC-Pass? Was soll den das jetzt? Ich will doch nicht auswandern? Also wirklich, aus der Traum...

Homestead Studio SuitesIn der Maschine setzte keine Entspannung ein - ich musste mich mit dem Inhalt meines neuen Reiseköfferchens beschäftigen und so tun, als ob mir das alles Spaß machen würde. Nach langen neun Stunden Flug landeten wir ca. 2 p.m. Ortszeit sicher in Newark. Die Abfertigung bei der Immigration verlief trotz meines neuen Reiseköfferchens mit dem spektakulären Inhalts relativ flott, die Koffer waren auch direkt da und mit einem Taxi wollten wir dann bei 28 Grad und tollem Wetter ins Hotel. Wenigstens eine Sache, bei der ich Spaß hatte: der Taxifahrer sprach kaum Englisch, träumte von seiner Heimat in Jamaika und fuhr uns natürlich zum falschen Hotel, was ich natürlich sofort gepeilt hatte, aber ich schwieg natürlich. Das wollte ich mir doch nicht entgehen lassen, wie meine Kinderchen aus der Nummer wieder rauskamen. Bei Thomas lag ich voll richtig - der hatte keinen Plan davon, was hier gerade ablief, aber meine Schwiegertochter war nicht so leicht zu täuschen. Marion bekam den Taxifahrer doch glatt mit Hilfe ihres Kachelblicks dazu, uns zum richtigen Hotel zu fahren...

Suiten? Man hat mir Suiten versprochen und was ist das hier? Der Anstrich an den Wänden bröckelte und die Sauberkeit ließ doch einen Deutschen Standard sehr vermissen. Nachdem wir unsere Koffer ausgepackt und ich mich ein wenig von dem Schock erholt hatte, erkundigten wir zunächst die nähere Umgebung. Wobei Umgebung war ja eher geprahlt. Eine riesige Baustelle und in Sichtweite ein richtiges Hotel - bestimmt gab es dort echte Suiten...

Die Bushaltestelle nach Manhattan war zwar unmittelbar vor der Haustür, aber statt in die Zivilisation zu fahren, mussten wir natürlich hier bleiben. Es gab nur ein kleines Zentrum mit Restaurants und Shops in unmittelbarer Nähe. Etwas außerhalb war ein Wal-Mart, in dem wir uns zu allererst einen Vorrat an Getränken besorgten. Man weiß ja nie, wann es das nächste Mal was gibt und bei dieser Organisation hier...

Für den Abend besorgten wir uns dann Sandwiches und wenn ich die beiden nicht durch geschickte Ablenkungsmanöver zu einem dieser Sandwichläden geschleust hätte, wären wir bei dem Restaurant mit den frisch gegrillten amerikanischen Burgern stehen geblieben. Wie kann man nur solche niedlichen Rindviecher essen, wo die Natur doch so viel Grünes zu bieten hat. Katzengras, Zitronenmelisse oder einfach mal Schnittlauch mit ein wenig Pfeffer und Salz knusprig angebraten und schon ist der Abend gerettet, aber damit brauche ich den Banausen ja gar nicht kommen... Nachdem ich das Sandwich im Hotel runtergewürgt hatte, konnte ich mich gerade noch um so'n Quatsch wie American Idol im Fernsehen drücken und mich endlich hinlegen, um den ersten Tag schon mal abzuhaken. Schlafen konnte ich allerdings nicht - Visionen von einem neuen Plasma-Fernseher schwebten mir durch den Kopf, gepaart mit der Enttäuschung, dass ich der Saubande nur ein paar Buntstifte und Sudoko-Hefte wert war... Was bin ich? Drei Jahre alt?
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