New York City Reiseführer - NYC-Guide.de | Ulrikes Abenteuer | 6. Dezember 1999

Ulrikes Abenteuer

6. Dezember 1999


von Ulrike Witte

Der Tag begann mit Regen, und so richtig aufgehört hat es auch nicht. Also gingen wir zuerst zum Visitors Bureau und deckten uns mit Zetteln und Flyern von sämtlichen Museen, Ausstellungen und Sehenswürdigkeiten ein. Um dem Dauerregen zu entkommen, beschlossen wir uns die Zeit im größten Kaufhaus, bei Macy's, zu vertreiben. Zuerst blieben wir aber bei Daffy's hängen, was gleich gegenüber von Macy's ist (und einen genialen nach außen verglasten Fahrstuhl hat – nix für Leute mit Höhenangst) . Anschließend waren wir dann bei Macy's, ein Riese von Kaufhaus. Im Parterre wurde man fast von den Dekorationspaketen erschlagen, die wie fliegende Kühlschränke unter der Decke baumelten. Weihnachtliche Dekoration auf amerikanisch.

Dazu eine schiebende Menschenmenge, und alle 2 Meter irgendwelche Hostessen, die einem Parfüm oder Kosmetik aufschwatzen wollten. Wir sind dann recht schnell dort wieder raus und landeten ein paar Meter stadteinwärts schon wieder in einem Shopping-Tempel: Manhattan Mall, eine Einkaufspassage auf 8 Etagen. Ganz oben konnte man sehr "lecker Mittagessen". Taten wir auch.

Unser verregneter Einkaufsbummel führte uns dann noch in einen Sportladen - Paragon Sporting Goods - war aber genauso teuer wie bei uns. Als wir dann vom Einkaufen genug hatten, wollten wir auch was für unseren verregneten Geist tun: also rauf zur Upper East Side und zum Guggenheim-Museum. (Alle anderen Museen haben leider montags zu.)

Das Gebäude vom Guggenheim ist toll, eine Art kopfstehendes Schneckenhaus, oder so wie die tollen Reisezahnputzbecher, die immer dann zusammenklappen, wenn sie voll Wasser sind. Im Inneren steht man in einer großen hohen Halle, und immer an der Wand lang führt eine Rampe, die sich mit 4, 5 oder 6 Umdrehungen bis ganz nach oben windet und einen von Bild zu Bild leitet. Weil mich aber die 12 Dollar Eintritt etwas schockierten und auch gar nicht mehr so lange auf war, verzichteten wir auf die Kunst. Das Haus an sich war ja auch schon Kunst. Im Museumsshop war es auch recht interessant, faszinierend zu sehen, wie man Kunst so massenwirksam vermarkten kann.

Nach diesem Kulturschock mußten wir uns bei Donut und Muffin in einem kleinen Café regenerieren. Gestärkt stürzten wir uns ins nächste Abenteuer: wir fuhren mit dem Metro zum Zentralbahnhof. Ein imposantes Gebäude, im Keller eine berühmte Austern-Bar. Daran sind wir aber nur vorbeigebummelt, beim Essen hätten wir uns sicherlich blamiert. Die Bahnhofshalle ist riesig und hoch, weil es aber ein abgeschlossener Raum ist und die Gleise von dort noch gar nicht zu sehen, wirkt z. B. der Leipziger Bahnhof größer. An der Decke war ein Sternenhimmel zu bewundern und ein Lasershow, die nur in der Vorweihnachtszeit gezeigt wird.

Ein ganz krasser Gegensatz zu dieser prunkigen Halle waren dann die Gleise. In 2 Ebenen gehen sie von einer Seite der Halle unterirdisch ab. Finster, muffig und doch nur wenige Meter von der geschmückten Halle entfernt! Wir gingen dann noch durch die Vanderbuilt Hall, die Vorhalle des Bahnhofs. Dort war gerade Weihnachtsbasar.

Wieder draußen bummelten wir Richtung Westen die 42nd Street lang, zum Times Square. Unter "Bummeln" versteht man dabei ein Aneinander vorbeidrängeln in zügigem Gehtempo. Zu Hause muß ich mir oft anhören "renne nicht so", aber dorthin paßte ich mit meinem Sturmschritt wunderbar. Bald sahen wir Times Square: riesige Leuchtreklamen, so groß wie halbe Häuserwände. Der berühmte Platz selber ist aber eigentlich mehr eine Ansammlung von Straßenkreuzungen und Verkehrsinseln.

Broadway und 7th treffen sich in spitzem Winkel, dazu kommen dann noch einige Querstraßen, überall blitzende und flackernde Leuchtreklame und das ist dann Times Square. Wir holten uns Karten für den neuen James Bond, aßen schnell noch eine Pizza, und dann ab ins Kinovergnügen. Ich war ja schon von dem Riesensaal begeistert, auch wenn alles schon etwas abgenutzt aussah. Ein Kinosaal für 1500 Leute! Der Film war auch klasse. Nun muß ich ihn mir zu Hause noch in der Übersetzung ansehen und schauen, was sie aus all den schönen sexistischen Gags gemacht haben!!!

Die Rückfahrt kurz nach 10 mit der Metro war überhaupt kein Problem. Es war noch so voll, daß man keinen Sitzplatz bekam. Also im Stadtzentrum kann man um diese Zeit getrost noch U-Bahn fahren.

© 2000-2012 by Marion & Thomas Reichwein
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