New York City Reiseführer - NYC-Guide.de | Christmas time | 3. Teil

Christmas time

3. Teil

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von Stefan Röper

Santa Claus Todmüde durch den Jetlag, traf ich wieder im Hotel ein. Gegen alle Ratschläge ging ich dann doch früh zu Bett.

Am nächsten Morgen war ich natürlich recht früh wach. Trotzdem hielt mich nichts im Hotel. Ich wollte erst einmal etwas frühstücken. Ein Deli gleich um die Ecke schien mir das Richtige zu sein. Gerade als ich die Straße überqueren wollte, fielen mir Leute auf, die scheinbar aus einem Kellereingang, einer einfachen Treppe im Gehweg, kamen. Das Schild über diesem Kellereingang zeigte mir aber das es sich hierbei um einem Zugang zur Metro handelte. Die Leute, die mir auffielen, waren aber wohl nur eine Vorhut von einer ganzen Menschenmasse, die plötzlich da aus der Erde quollen. Ich mutmaßte, dass das Fahren mit der Metro sehr gefährlich ist. Denn bald jeder, der wieder ans Tageslicht trat, holte sein Handy hervor und rief, wie ich vermutete, seinen Liebsten an, um zu berichten, dass er dieses Abenteuer überlebt hatte. Mir fiel auch der Dresscode auf. Kaum ein Mann ohne Krawatte und die Frauen im Kostüm. Die Minusgrade schien nur ich zu bemerken.

Christmas decoration Durch die Menschenmasse aus der Metro war auch der Deli schlagartig gefüllt. Also reihte ich mich brav ein und studierte schon einmal meine Bestellung ein. Es war eine freundliche Fließbandabfertigung, aber an diesem Morgen habe ich mich in die köstlichen Bagel verliebt. Geröstete Bagel mit Schinken, Ei und Käse ist für mich eine der leckersten Variationen.

An diesem Tag habe ich dann einige der Sehenswürdigkeiten der Stadt besucht. Ich war auf dem Empire State Building, im Central Park und habe mir den Times Square angesehen. Am Rockefeller Center fielen mir die vielen Polizisten und die, noch am Straßenrand zusammengestellten, Absperrungen auf. Gegen Abend erfuhr ich dann, wofür dieser Aufwand war. Es waren die Vorbereitungen für die Lighting Ceremony. Es wurde, immer wenn ein Block mit Menschen gefüllt war, dieser abgeriegelt. Es war ein riesiger Menschenauflauf. Alle wollten dabei sein, wenn der Weihnachtsbaum vor dem Rockefeller Center das erste Mal erleuchtet wurde. Ehe ich mich versah, stand ich mit vielen anderen Leuten eingepfercht vor dem Kaufhaus Saks.

Christmas tree Ich war wirklich nah am Baum, doch leider konnte ich ihn nicht sehen. Ich sah nichts von dem was unter und neben dem Baum vor sich ging. Ein Gebäude versperrte mir die Sicht. Anscheinend war ich aber der einzige, den dies störte. Man hörte Musik, Kommentare der Moderatoren und Werbung. Zu allem Glück fing es auch noch an zu regnen. Das reichte mir nun. Ich zwängte mich durch die vielen Menschen und machte mich auf den Weg zu meinem Hotel. Den Baum wollte ich mir lieber am nächsten Tag ansehen. "Da ist man einmal in New York, und geht ins Hotel bei solch einer Veranstaltung?", werden Sie sagen, aber ich sah nun mal nichts. Ich war den ganzen Tag auf den Beinen, es war schrecklich kalt und es regnete. Dies waren genug Argumente für mich, ins Hotel zu gehen. Zu meinem Hotel musste ich einige Umwege gehen, da so viele Blocks von der Polizei abgeriegelt waren. Es war aber erstaunlich zu sehen, dass in vielen Bars eine eigene Lighting Ceremony gefeiert wurde. Mitten in der Woche war in den Bars und auf den Straßen der Teufel los. Endlich war ich, durchgefroren, im Hotel angekommen.

Im Hotel wollte ich noch ein wenig fernsehen und als ich mich so durch die Programme suchte, war da doch tatsächlich eine Liveübertragung der Veranstaltung. Na also, in gewisser Weise war ich nun doch dabei. Jetzt verstand ich auch die Sache mit der Werbung, die ich vor dem Rockefeller Center gehört hatte. Das Showprogramm passte sich dem Fernsehen an. Es war schon ein seltsames Gefühl, zu wissen, achthundert Meter von meinem Hotel, an dem Platz, wo ich eben noch war, traten Künstler wie Natalie Cole und Destinys Child auf. Zum Ende der Fernsehübertragung wurde dann der Baum erleuchtet. Viele hundert bunte Lampen erstrahlten zu tosendem Applaus an dem riesigen Baum.

Christmas tree Den Baum habe ich mir am nächsten Morgen angesehen. Fantastisch, dieser Anblick. Die bunten Lichter, die beleuchteten Engel die davor aufgebaut waren und darunter die Eislauffläche. Wie viel Lampen es sein mussten, wurde mir klar, als ich das armdicke Kabel am Stamm des Baumes sah, das nach oben in den Baum führte.

Auf den Straßen sah man immer wieder Leute der Heilsarme, die mit Posaunenmusik um Spenden in den Topf am Dreibein baten. Die offizielle Vorweihnachtszeit hatte jetzt wohl begonnen. Wie oft ich in diesen Tagen "Jingle Bells" gehört habe, konnte ich nicht mehr zählen. Auch Weihnachtsmänner sah man an vielen Ecken. Der Weihnachtsstimmung konnte man nicht mehr entkommen. Das wollte ich aber auch gar nicht. Schließlich war dies einer der vielen Gründe, warum ich nach New York gekommen bin.

Meine weiteren Erlebnisse in New York sind für mich einzigartig, aber sie unterscheiden sich wohl kaum von denen, die schon auf diesen Seiten beschrieben sind. Daher möchte ich meinen Bericht hier abschließen.

Zu erwähnen ist wohl noch, dass mir bereits am zweiten oder dritten Tag klar war, ich brauch mir nicht alles anzusehen, denn ich werde auf jeden Fall noch einmal nach New York kommen. Ich bin kein Freund von Großstädten, daher fand ich es immer übertrieben, wenn ich auf diesen Seiten las, dass sich jemand in die Stadt New York verliebt hat. Jetzt aber kann ich es nachvollziehen. Mir ist es nicht anders ergangen.

Ebenfalls zu erwähnen ist folgendes: Hält man sich an den Tipp, nicht gleich als Tourist erkannt zu werden, wird man von den Leuten mit Stadtplan und Fotoapparat oft nach dem Weg gefragt. Gerne erklärte ich, soweit ich es wusste, den Weg. Hat man doch in diesen Augenblicken das Gefühl, für einen echten New Yorker gehalten zu werden. Dass ich eigentlich in Deutschland in einem Dorf wohne, in dem die Einwohnerzahl in Seelen angegeben wird, war in diesen Moment vergessen. Ich bin halt doch ein Mann von Welt.
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© 2000-2012 by Marion & Thomas Reichwein
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