New York Reiseführer - NYC-Guide.de | Christmas time | 1. Teil

Christmas time

1. Teil

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von Stefan Röper

StreetIm Sommer hatte ich die Idee, meinen Urlaub Anfang Dezember in New York zu verbringen. Es sollte mein erster Urlaub sein, den ich allein und in den USA verbringen wollte. Bislang hatte ich mich im Urlaub immer Freunden angeschlossen. Diesmal aber wollte ich keine Kompromisse eingehen und meinen Urlaub ganz nach meinen Vorstellungen verbringen. Um in die USA zu kommen, gibt es eine Schwierigkeit: Der Flug mit einem Flugzeug. Dieses Problem, das sich mir zum ersten Mal stellte, wollte ich auch angehen wie ein Mann. Die Herausforderung begann dann beim Einchecken am Flughafen. Mein Abflughafen ist ein kleiner Flugplatz ganz in meiner Nähe. Ich fand mich daher schnell zurecht. Der erste Flug sollte mich mit Eurowings nach Amsterdam bringen.

Die Zeit bis zum Abflug verbrachte ich mit Kaffeetrinken und reichlich Zigaretten. Endlich wurde mein Flug aufgerufen und man schleuste uns zu einer kleinen Propellermaschine. Der Kapitän meldete sich und sagte, dass wir noch ca. 30 Minuten warten müssen. Mit meinem Anschlussflug sollte es also knapp werden. Endlich rollten wir auf die Startbahn. Die Motoren wurden beschleunigt. Das ganze Flugzeug vibrierte. Ich wollte einen gelassenen Eindruck machen, als würde ich als Mann von Welt dies schon von vielen Flügen kennen. Schließlich saßen genügend Geschäftsleute im Flugzeug, die wohl tatsächlich schon genug Starts und Landungen hinter sich hatten. Bis zum Lösen der Bremsen konnte ich diesen Eindruck auch aufrecht erhalten. Mit zunehmender Geschwindigkeit der Maschine, fiel es mir immer schwieriger, einen gelassenen Eindruck zu machen und wurde vollends zunichte in dem Augenblick, als die Maschine abhob. Mein erster Gedanke beim Druck auf meinen Magen war: In Amsterdam setze ich mich in einen Zug nach Hause. Nach zwanzigminütigem Flug hatte ich mich aber wieder so weit im Griff, dass ich auch den Start in der großen Maschine überstehen würde.

Ich hatte gehofft, in Amsterdam noch eine Zigarette vor dem achtstündigen Flug rauchen zu können. Durch die Verspätung kam ich allerdings nicht mehr dazu. In der großen Maschine herrschte ein wildes Durcheinander. Leute, die ihren Sitzplatz suchten, andere die diesen schon gefunden hatten, aber noch ihr Reisegepäck verstauen mußten. Endlich hatte auch ich meinen Platz gefunden: Ein Platz am Fenster neben einer Schwedin. Die Verständigung erfolgte auf englisch.

Als ein Passagier vor mir ein weiteres Kissen verlangte, sah ich etwas, was ich nie für möglich gehalten habe: Die Stewardess lächelte, doch aus ihren Augen blickte die pure Verärgerung. Dies habe ich mehrfach vor dem Spiegel versucht, aber nie in dieser Perfektion geschafft. Bis zum Start der Maschine vergingen noch locker 30 Minuten. Ich ärgerte mich, dass ich es mit dem Einchecken so eilig hatte. Gerne hätte ich noch eine geraucht.

Der Start der großen Maschine war nicht so schrecklich, wie der in der kleinen. Ansonsten war der achtstündige Flug eine Tortur. Besonders für mich als Raucher wurde es mit jeder Stunde langweiliger. Selbst die Sonne am Horizont bewegte sich kaum. Eine Erlösung, als das Flugzeug endlich zur Landung ansetzte. Nachdem wir unter der Wolkendecke waren, hatten wir einen tollen ersten Blick auf die Insel Manhattan. Na toll, meine Kamera lag natürlich in meiner Tasche im Handgepäck. Ich war darauf vorbereitet, dass hier alles anders ist. Die Autos, die Gebäude, die Straßen, der Ikea-Markt gegenüber der Rollbahn, die ... - Moment, ein Ikea-Markt? Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Ein Blick zu der Schwedin neben mir zeigte, dass es ihr nicht anders ging. Wir mussten beide lachen.

Endlich aus dem Flugzeug und sich bewegen können. Jetzt ging es zur Immigrationsbehörde. Unser Flug war wohl nicht der einzige, der in den letzten Minuten angekommen ist. Vor den Schaltern hatte sich eine große Schlange gebildet. Die Absperrungen vor den Schaltern zeugten davon, dass in der Hauptsaison hier noch länger zu warten ist. Die Wartezeit gab mir die Möglichkeit, mich auf das Gespräch mit dem Beamten vorzubereiten. Hier sollte sich zum ersten Mal zeigen, was von dem Schulenglisch hängen geblieben ist.

MacysJetzt wurde ich an den Schalter gerufen. Ich trat vor, legte meinen Reisepass und die im Flugzeug ausgefüllten Formulare vor und wartete hochkonzentriert auf die erste Frage des Beamten. Oups, da war sie schon. Was hatte er gerade gefragt? Er sah wohl mein fragendes Gesicht und wiederholte die Frage. Ah, warum ich in die USA einreisen möchte. Nachdem ich ihn verstanden hatte, kam jetzt der zweite Teil dieser Herausforderung; Antworten! Klar wusste ich, was ich sagen wollte, aber vorerst nur auf deutsch. Schnell in Gedanken übersetzen und ... aus dem Satz, "das ich meinen Urlaub zum Weihnachtseinkauf in New York verbringen wollte" wurde, "Urlaub". Der Beamte stellte die nächste Frage, also hatte er meine Antwort akzeptiert.

Trump TowerIch hatte also die erste Prüfung bestanden: Ich konnte mich mit den Amerikanern verständigen. Was sollte mir also noch passieren? Die weiteren Fragen beantwortete ich ebenso eloquent, wie die erste und so durfte ich offiziell einreisen. Wie einfach war dagegen der Zoll. Der Zollbeamte war so in ein Gespräch mit einem Kollegen verwickelt, dass er mich, nun mit Koffern, so durch gewunken hatte. Jetzt schnell zum Ausgang. Bevor ich irgend etwas anderes erledigen wollte, brauchte ich eine Zigarette. Auf dem Weg zum Ausgang stand auf der Treppe ein Farbiger, der mit seiner imposanten Stimme Jingle Bells zum Besten gab. Hier war man mit der Weihnachtsstimmung schon ein wenig weiter als in Deutschland, denn Zuhause hatten gerade mal die Kaufhäuser ihren Weihnachtsschmuck in die Regale geräumt.

Vor der Tür hatte ich dann keine Bedenken, mir eine Zigarette anzustecken, denn ich war bei weitem nicht der einzige.

Während ich dastand und mir die Hektik der Taxifahrer ansah, die mit ihren gelben Wagen vorfuhren, Menschen ausstiegen ließen und wieder abfuhren, wurde mir langsam bewusst: Ich bin in New York. Jetzt bekam ich doch für einen Moment weiche Knie.
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© 2000-2018 by Marion Reichwein & Thomas Reichwein
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