New York City Reiseführer - NYC-Guide.de | 4 Tage New York–Der Wahnsinn! | 2. Tag

4 Tage New York – Der Wahnsinn!

2. Tag


von Simone

Die Nacht sollte nicht lange dauern, denn schon um 7 Uhr (und das im Urlaub!), klingelte der Wecker! Aber wir wollten ja früh aufstehen, um möglichst viel zu sehen.

Zuerst machten wir an einem Coffee Shop halt (Coffee Shops sind wirklich zu empfehlen: gut und recht billig!) und frühstückten mit Kaffee und Donuts.

Dann meldeten wir uns bei Greyline – dem Organisator in Sachen Stadtrundfahrt – mit unserem Gutschein an. Mit Franzosen und anderen Deutschen im Bus, bekamen wir auf unserer 4-stündigen (was sich jetzt viel anhört, aber bei dem Verkehr nicht so lange ist!) Rundfahrt quer durch Manhattan zweisprachige Infos und Erklärungen zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten. So eine Stadtrundfahrt sollte man meiner Meinung machen (allerdings kostet sie 45$!), denn man sieht viel und bekommt alles erklärt; so verschafft man sich einen guten Einblick und Überblick über die City!

Die ersten zwei Stunden standen Midtown und Uptown auf dem Programm. Wir fuhren also z. B. am Lincoln Center vorbei bis in die Upper West Side (d. h. der Stadtteil im nördlichen Teil von Manhattan, westlich vom Central Park). Dort sahen wir die hübschen Hausaufgänge like Bill Cosby, sowie einige Unis – von denen es zu unserem Erstaunen über 400 (!) in NY gibt; manche private Uni kostet sogar um die 20.000$ im Jahr! An der St. John's Cathedral hielten wir schließlich an, um sie auch von innen zu betrachten. Es ist eine Kirche, die aus finanziellen Gründen nie fertiggestellt wurde: außen sieht man viel Gerüst, innen gibt es keine Bänke, sondern nur Stühle und sogar die Glockentöne kommen nur vom Tonband (typisch amerikanisch, oder?)!

Weiter ging's dann nach Harlem. Hier wohnen etwa 50.000 farbige Menschen. Ehemals verrufen, so ist es – laut unseres Reiseführers – heute ein florierendes Viertel mit vielen Jazzbars, etc. und sogar Ex-Präsident Bill Clinton hat hier ein Büro! Daneben konnte man sehen: viele verlassene Häuser, die hergerichtet vielen Familien Platz bieten könnten, viele Sozialwohnungen (auch entlang des Broadways - stellt euch vor, ihr gebt eure Adresse mit Broadway an und dann ist das nur eine Sozialwohnung!) sowie Kirchen, die einfach so zwischen den Häusern plaziert sind und gar nicht nach Kirchen aussehen. Außerdem an der Martin Luther King Street u. a. das Apollotheater, ein Etablissement für Amateurkünstler und buntbemalte Garagenrolläden (ein Zeichen für die etlichen Künstler in diesem Stadtteil).

Dann kam folgerichtig die Upper East Side dran. Hier wohnen viele Millionäre, was auch an der hier verlaufenden 5th Avenue, der nobelsten Shoppingmeile zu erkennen ist. Neben dieser Einkaufsmeile, führt hier auch die "Museumsmeile" entlang: wir sahen beispielsweise das Guggenheim Museum (schon architektonisch sehr interessant, wie eine Art Scheckenhaus gebaut) und das Museum of Modern Art (leider hatten wir keine Zeit um eines der beiden zu besuchen und geregnet hat's ja auch nicht).

Da hier auf der 5th Avenue am nächsten Tag eine Parade der Puertoricaner vorbeiziehen sollte, wurden wohl aus Sicherheits- und Schutzgründen Holzverkleidungen an den Häuserfassaden angebracht, was die Puertoricaner wiederum – laut unseres Reiseleiters – als Rassendiskriminierung empfanden!

Wieder in Midtown angekommen, bekamen wir noch das Rockefeller Center zu sehen – das übrigens aus mehreren Gebäuden besteht und erst kürzlich von der Familie Rockefeller für 2 Milliarden Dollar (soviel Geld hätte ich auch gern :-)) verkauft wurde – den Times Square – der durch seine riesigen Werbebildschirme und –plakate zum teuersten Werbeplatz avanciert ist sowie mehrere Fernsehstudios, z. B. NBC oder MTV.

(Sorry, an dieser Stelle, für meine Bandwurmsätze, aber das spiegelt genau das Gefühl in dieser aufregenden Stadt wieder – an jeder Ecke gibt's etwas zu entdecken!)

Eine Reihe typisch amerikanischer Schulbusse in Greenwich.Während der zweiten Hälfte ging's dann von Midtown aus Richtung Downtown. An Macy's vorbei, gelangten wir nach Chelsea, wo sich früher die Modemeile befand, dann nach Greenwich Village. Das ist, wie der Name schon sagt, wirklich eine Art "Dorf", denn hier gibt's keine Wolkenkratzer. Es leben dort v. a. Intellektuelle, Künstler, Akademiker, etc. Etwas aus der Entfernung konnten wir dann auch noch den Triumphbogen am Washington Square erkennen.

Weiter ging's mit dem Bus durch Soho (= South of Houston), wo ehemals viele Fabriken standen (was man an den großen Fenstern noch bis heute sieht) und sich heute ein Künstlerviertel gebildet hat.

Dann kurz noch durch Chinatown, wo man eh nicht viel verstand – aufgrund der vielen chinesischen Schriftzeichen überall – und wo sich zudem die berüchtigte Canal Street befindet: Hier werden Billigimitate der großen Designer wie Gucci oder Versace angeboten.

Und dann kamen wir endlich im schöne Lower Manhattan an, dem Finanzviertel. Uns wurde die City Hall, das Rathaus, mit einem riesigen Parkgarten davor, die Gerichtshöfe, die oft als Kulisse in Filmen dienen sowie die Wall Street präsentiert. Was uns außerdem überraschte: eine "Sozialwohnung" hier kostet 1.000$!

In der Nähe des Battery Parks konnten wir dann ein Stück zu Fuß gehen und genossen den Ausblick auf den Hudson River und das dahinterliegende Festland. Weil es Samstag war und keiner hier arbeitete, war es sogar sehr ruhig hier. Und als ich eine Baustelle sah, an der Wohnungen angeboten wurden, die zwar einiges kosteten aber toll aussahen (und mit der Aussicht!), dachte ich mir: du musst später mal viel Geld verdienen, dann wird das hier dein Zweitwohnsitz! :-)

Gegen 13 Uhr endete schließlich unserer Stadtrundfahrt. Zum Mittagessen trieb es uns in den McDonald's und hier fiel uns wieder mal auf: in Amerika ist alles um eine Dimension größer. Das fängt bei den Wolkenkratzern an und hört bei so banalen Beispielen wie Pommes auf: Was man bei uns als große Portion Pommes bekommt, ist hier nur eine mittlere Portion Pommes oder wie es hier heißt French fries!

Wieder gestärkt unternahmen wir eine kleine Shoppingtour: Macy's, Kaufhäuser am Broadway und Window shopping an der 5th Avenue. Zur Erholung setzten wir uns dann vor einen Brunnen und sahen vor uns das Flatiron Building, das wirklich so heißt, weil es ausschaut wie ein Bügeleisen! Was skurril ist: In dieser oft vollen und hektischen Stadt (so viele Taxis wie in Manhattan gibt es glaub ich sonst nirgendwo!) gibt es immer wieder kleine Plätzchen und Grünanlagen – abgesehen vom Central Park. Diese sind oft sehr nett mit Bänken und Brunnen...

Von dort aus fuhren wir mit der Subway gen Süden. Nebenbei bemerkt: Meiner Meinung nach ist das U-Bahn-System, das das längste der Welt ist, noch lange nicht so gut wie beispielsweise in Paris. Dort findet man an jeder Ecke ein gut gekennzeichnete Station, hier darf man oft lange suchen oder sich durchfragen. Außerdem verlaufen die Linien meist von Nord nach Süd und es gibt nur wenige Umsteigemöglichkeiten. Diese Erfahrung haben zumindest wir gemacht!

Im Reiseführer hatte ich also gelesen, dass es vom Battery Park aus eine kostenlose Fähre nach Staten Island gibt. Deswegen nix wie hin, wenn schon mal was umsonst ist!

Dieser Trip war einfach spitze. Man hat vom Schiff aus eine geniale Blick auf die Skyline von Lower Manhattan, sowie auf die Statue of Liberty! Wir konnten uns gar nicht mehr losreisen und schossen viele Fotos (schließlich sollten die Daheimgebliebenen auch etwas davon haben :-)). Weil's so schön war und es auf Staten Island eh nicht viel zu sehen gibt, fuhren wir gleich wieder zurück.

Wieder an Land, liefen wir zum Pier 17, wo sich eine Shoppingmall befindet (von wo aus man übrigens einen super Blick auf die Brooklyn Bridge werfen kann!). Auf dem Weg dorthin sahen wir viele Limousinen, was v. a. Tanja gefiel! Und es stiegen sogar ganz normale Leute aus, die sich so etwas einmal geleistet hatten. Aber wer weiß: vielleicht saß ja hinter manch verdunkelter Scheibe ein ganz großer Star!

Kurz schlenderten wir also durch die Läden und gingen dann in die Fulton Street gleich gegenüber. Dies ist eine der wenigen Fußgängerzonen in NY City. Überall Straßenkünstler und kleine Restaurants. In eines davon setzten wir uns dann auch und ließen diese Idylle, die uns eher an warme Mittelmeerländer erinnerte, auf uns wirken. Die Kellnerin merkte sofort, dass wir Deutsch waren (obwohl wir ganz gut mit American English zurecht kamen :-)) und da sie auch deutsch sprach, war die Bestellung kein Problem mehr. Wir aßen Sandwiches und beschlossen daraufhin einen weiteren Gutschein einzulösen – ein Besuch auf dem Empire State Building by night.

Nach langem Anstehen am Ticketschalter und an den Aufzügen, kamen wir irgendwann im 86. Stock an. Bei diesem Lichtermeer zu unseren Füßen, fühlten wir uns wie beim Ende des Films "Schlaflos in Seattle", in dem Meg Ryan und Tom Hanks auch hier oben standen!

Pauschal gesagt, finde ich ist ein Besuch auf dem WTC besser: erstens ist man weiter oben, zweitens hat man eine bessere Aussicht! Aber wenn man wie wir NY einmal bei Tag und einmal bei Nacht sehen will, dann ist das so ok!

Als wir dann um Mitternacht wieder ins Hotelzimmer gekommen waren, waren wir so erschöpft von unserem 17 Stunden-Tag, dass wir totmüde ins Bett fielen und sofort einschliefen – trotz des Autolärms und des häufigen Sirenenheulens von der Straße her – NY schläft eben nie!

© 2000-2012 by Marion & Thomas Reichwein
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