New York City Reiseführer - NYC-Guide.de | Der Millennium-Trip | 28. Dezember 1999

Der Millennium-Trip

28. Dezember 1999


von Sascha Reinking

Tag 2 oder: "Geld loswerden leicht gemacht!!!"

"AUFSTEHEN!!!", rief Torsten während er mit der Faust gegen die Tür hämmerte. Es war 7.30 Uhr und wir waren schon wach, da Yvonne schon kurz vor 7.00 Uhr einen telefonischen Weckruf bei uns getätigt hatte. Zum Glück hatten Torsten und Yvonne einen Reisewecker mit, der auch mit Batterien funktionierte. Ich machte Torsten die Tür auf und er erzählte, dass er schon seit 5.00 Uhr durch das Hotel lief, weil er nicht mehr schlafen konnte. Komisch, irgendwie hatte ich überhaupt keine Probleme mit der Zeitumstellung. (beim Hinflug jedenfalls, beim Rückflug dann doch schon sehr).

Noch schnell unter die Dusche gesprungen, (bääähhh, war das Wasser chlorhaltig) und dann konnte es losgehen. Die Damen brauchten, wie immer, etwas länger. Besonders weil sie ja auch nicht ihren Fön benutzen konnten (fehlender Adapter) und ihre Haare "lufttrocknen" mußten. Dementsprechend sahen die beiden dann natürlich auch auf dem Kopf aus (‘ne Frisur wie ein Bär unter den Armen). In der Zwischenzeit gingen Torsten und ich schon mal runter in die Hotelhalle um mal "zu Hause" Bescheid zu sagen, dass wir gut angekommen waren.

Nach Hause telefonieren... Beim ersten Versuch die amerikanischen Fernsprecher zu benutzen stellten wir fest, dass das gar nicht so einfach war, wenn man das noch nie gemacht hatte. Das mit dem Kleingeld funktionierte nicht so richtig und so versuchte es Torsten mit dem Kreditkartentelefon. GROSSER FEHLER!!!!! Ein kleiner Tipp an dieser Stelle: Telefonieren Sie NIEMALS mit einem Kreditkartentelefon. Es sei denn, Ihr Name ist "Rockefeller" oder "Trump". Als wir dann mal genauer nachgelesen haben sahen wir, dass die erste Minute $9 (zu der Zeit ca. 18 DM) gekostet hatte, und jede weitere Minute $6 (12 DM). Das war dann auch das erste und letzte Mal, dass wir über Kreditkarte telefoniert hatten. Später haben wir uns dann erklären lassen, wie das günstiger und preiswerter funktioniert. Man kauft sich einfach eine Telefonkarte für $10, $20 oder $50, nimmt den Hörer ab, tippt die Geheimzahl ein, die auf der Karte steht und kann dann die Nummer wählen. Eigentlich ganz einfach, wenn man es weiß!!!! Naja, wie heißt es so schön: "Aus Fehlern lernt man.". Und der nächste Fehler folgte gleich anschließend.

Breakfast..."So, erst mal lecker Frühstück", sagte Torsten. Bloß wo??? Direkt im Hotel gab es einen Coffee Shop. Und da wir es am ersten Tag noch nicht besser wußten, gingen wir dort frühstücken. Beim ersten Mal bestellten wir alle dasselbe: "Viermal Famous Breakfast". Die Bedienung wollte wissen, wie wir unsere Eier haben möchten und fragte: "Boiled?? Over easy?? Scrambled??". Als sie merkte, dass wir uns fragend anschauten, grinste sie, stellte die Frage noch mal langsamer und untermalte jedes Wort mit der dazu passenden Handbewegung.
Das sah total witzig aus, war aber auch furchtbar nett von ihr. Wir entschieden uns dann für "scrambled eggs" (Rührei). Als unser Essen dann kam war mir klar warum die Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung übergewichtig ist. Es schmeckte phantastisch, aber wenn ich jeden Morgen so essen müßte, dann hätte ich meine 50 Kilo ganz schnell wieder drauf.

Es gab "Bacon" (Frühstücksspeck), "Home Fries" (Bratkartoffeln), "Toast" (Toast), "Scrambled Eggs" (Rührei), "French Toast" (Arme Ritter), "Fresh Orange Juice" (frischer Orangensaft) und Kaffee bis zum Abwinken. LECKER sag ich Ihnen. Das war richtig klasse - nur die Rechnung schockierte uns dann ein wenig. Zusammen mußten wir $60 (120 DM) bezahlen. Auch hier kann ich nur den Tipp geben: Suchen Sie sich einen netten kleinen Coffee Shop in der Stadt, wo Sie morgens frühstücken. NIEMALS!!! direkt im Hotel. Es sei denn, Sie heißen wiederum "Rockefeller" oder "Trump" und können für $50 Kurzgespräche führen. Wieder um eine Erfahrung reicher...

Madison Square GardenSo um 9.30 Uhr ging es dann los. Als wir den Coffee Shop verließen, standen wir "mitten im Leben". Das Wetter war traumhaft. Die Sonne schien aus allen Löchern. Das Thermometer zeigte zwar nur –3° C aber das störte uns nicht. Wir hatten uns so richtig dick angezogen. Unser "Plan" für heute war: Erst einfach mal ein bißchen gucken!!! Und gucken konnte man dort wirklich ‘ne Menge. Normalerweise, wenn man so durch die Straßen schlendert, schaut man nach links und mal nach rechts.
In New York kommt plötzlich eine dritte Dimension dazu. Neben links und rechts muß man dort auch andauernd nach oben schauen.

Macy'sAn jeder Ecke sieht man Leute stehen, die den Kopf in den Nacken werfen, neee, nicht um ein Bierchen zu kippen, sondern um sich die wunderschönen Skyscraper anzusehen, die oftmals oben noch viel schöner verziert sind, als unten. Man sollte nur aufpassen, dass man sich "zum Schauen" eine Ecke aussucht, wo man niemanden im Weg steht. Andernfalls könnte es passieren, dass man von einem New Yorker über den Haufen gerannt wird, die sind nämlich einen Zacken schneller unterwegs als die Touris.

Empire State BuildingWir gingen also auf der 34. Richtung Osten. Auf der linken Seite lag Mayc's. Über dem Eingang saß ein riesiger, aufgeblasener Snoopy und winkte den Leuten zu. Die Schaufenster waren noch ganz toll weihnachtlich geschmückt und was uns besonders auffiel war, dass (obwohl es noch 3 Tage bis Silvester waren) man sich hier jetzt schon bei jeder Gelegenheit ein "Happy New Year" zurief. Es war zwar ziemlich fremd für uns, machte aber Spaß. Und so fingen wir auch an jedem ein "Happy New Year" zu wünschen.

Kurz vorm Empire State Building bogen wir links ab, gingen auf dem Broadway Richtung Norden und nach einigen hundert Metern standen wir auf dem Times Square. Unglaublich die Amis.

AdsDie bauen da die Werbetafeln nicht an die Fassaden – NEIN!!! – die bauen die Fassaden einfach komplett aus Werbetafeln. Echt klasse, dieser Platz. Und auch sonst sind die Amerikaner etwas "anders" als andere Menschen. Man hat den Eindruck, dass die immer alles übertreiben müssen.

Als wir zum Beispiel zwischendurch mal aufs "Örtchen" mußten, gab es in einem Kaufhaus eine Tür für "WOMEN" und daneben eine Tür für "GIRLS", die gerade mal 1,20 Meter hoch war. Torsten und ich lachten und sagten wie aus einem Mund: "Die linke Tür ist für Ellen." *kaputtlach*
Wir gingen dann weiter den Broadway entlang und bogen dann in die 50. Richtung Osten ein. Kurz darauf standen wir vor der "Radio City Hall". Auch hier wieder ein typischen Beispiel für den "Größenwahnsinn" der New Yorker. Da lagen doch tatsächlich Christbaumkugeln vor der Radio City Hall. Aber nicht ganz normale – NEIN!!! – die hatten einen Durchmesser von ca. 1,50 Metern.

Girls & Ladies Und ein paar Meter weiter tauchte dann auch schon der riesige Weihnachtsbaum vor dem Rockefeller Center auf. Junge, Junge, war der groß.

Radio City Music HallEr war geschmückt mit Tausenden von Lichtern. "Wer da wohl jedes Jahr die Lichter dran fummelt und anschließend wieder ab???", fragten wir uns.

x-mas Vor dem Tannenbaum machten wir ein paar Fotos und schauten uns dann das Gedränge auf der Eislaufbahn an, die direkt unterhalb des Baumes lag. Aus den Boxen klangen noch Weihnachtslieder und es reichte anscheinend nicht aus, dass schon ziemliche viele Menschen auf der Fläche waren, es stand auch noch eine riesige Schlange an, um eine Runde auf dem Eis zu drehen. Ellen hielt jeden Moment auf ihrem Diktiergerät fest. Sie war sehr sachlich und sprach die Fakten auf ihr Band. Torsten und ich fanden das etwas zu steif und versuchten die ganze Geschichte etwas "lockerer" zu gestalten. Jedesmal wenn Ellen ihrer Quasselbox erzählte, wo wir gerade waren, rief Torsten von hinten (wie Herr Görgens aus der Wochenshow): "Jau, das sind wir wooohhhlllllll!!!". Teilweise übernahmen Torsten und ich auch komplett das Gerät. Dabei kam dann absoluter Blödsinn bei raus. Wir müssen heute noch lachen, wenn wir uns die Bänder anhören.

x-mas treeAls nächstes gingen wir zu Saint Patrick's Cathedral auf der 5. Avenue. Eine wirklich wunderschöne Kirche, die sich zwischen den ganzen Wolkenkratzern aber doch gut behaupten kann. Wir hatten Glück, dass gerade ein Gottesdienst begann, als wir in der Kirche waren. Weil die Touris vorher alle raus mußten, waren wirklich fast nur New Yorker in der Kirche. Wir hatten einfach Dusel, dass wir schon saßen. Im Innenraum bekam man überhaupt nichts mit von dem ganzen Lärm der Großstadt. Ganz witzig fanden wir, dass die Besucher ab und zu aufstanden, sich zu ihren "Nachbarn" und "Hinterleuten" umdrehten und ihnen ein fröhliches "PEACE" wünschten. Anscheinend ein "Ritual" wie bei uns das "AMEN" sagen. Jedesmal wenn sich also jemand zu uns umdrehte und "PEACE" sagte, erwiderte Torsten das mit einem: "Jo, peace Bruder!!!". Zwischendurch wurde auch ganz toll gesungen, der Gottesdienst hatte uns sehr gut gefallen.

Saint Patrick’s Cathedral Nach der "Ruhepause" war jetzt ein bißchen Shoppen angesagt und was bietet sich da besser an, als die 5. Avenue? In New York gibt es ja nicht ein Kaufhaus, wo man alles bekommt. Hier hat jeder Hersteller oder Verein einen ganz eigenen Laden, der manchmal genau so groß ist, wie ein komplettes Kaufhaus in Good Old Germany. Zum Beispiel gab es dort einen Walt Disney Store und einen Warner Brothers Store.
Auch Coca Cola, Swatch, Levis und andere namhaften Hersteller hatten ihren eigenen Laden. Uns verschlug es dann erst mal in den NBA Store. Hier gab es alles, was das Basketballer-Herz begehrt. Und dann nicht langweilig in Regalen gestapelt, hier war Action in der Bude. Überall standen Fernseher und Spiele der NBA flimmerten über die Mattscheibe. Von der Decke hing eine riesige Leinwand und ins Untergeschoß gelangte man über eine "Laufbahn", die wie ein Basketballfeld gestaltet war. Unten spielten Kinder Basketball.

NBA StoreDas könnte ich mir in Deutschland im Traum nicht vorstellen. Wenn man bei uns mal einen Verkäufer zu sehen bekommt, kann man doch meistens davon ausgehen, dass er unfreundlich, schlecht gelaunt oder gerade beschäftigt ist. HIER NICHT!!! Dort durfte jeder wirklich alles anfassen. Und wenn mal was umfiel, dann war das auch kein Beinbruch. Hier (wie auch in allen anderen Geschäften, die wir während unseres New York Aufenthaltes besuchten) gab es ausschließlich hilfsbereite und freundliche Verkäufer.

Hands on Niemand war aufdringlich, aber sofort bereit zu helfen, wenn man etwas wollte. An der Wand hingen Gipsabdrücke, die einige NBA-Stars (Grant Hill, Tim Hardaway, Shaquille O'Neal) von ihrer Hand gemacht hatten. Ich legte meine Hand mal in einige Abdrücke und war doch sehr überrascht. Die meisten "Hände" hatten eine ganze Fingerkuppe mehr als ich.

Disney StoreTorsten kaufte sich hier noch zwei NBA-Pullis und weiter ging es in den Disney Store. Hier gab es auf drei Etagen alles, was ein Disney-Herz begehrt. :-) Interessant war auch der kurze Abstecher bei Tiffany's. Da strömten hunderte von Leuten rein und raus, nur um mal einen Blick auf die Auslegware zu werfen. Und obwohl man eigentlich die Tür hätte offen lassen können, stand da ein netter Mensch, der die Tür immer auf und zu machte, wenn jemand rein oder raus wollte. Innen war es dann nicht sooo toll.
Da lagen zwar ‘ne Menge Klunker ‘rum, allerdings alle ohne Preise. Und da ich jemand bin, der einen $30-Ring nicht von einem $3.000-Ring unterscheiden kann, interessierte mich das dann doch nicht so sehr.

Inside Trump TowerEs war so gegen 14.30 Uhr als sich bei uns allen der Hunger so langsam meldete. Wir standen gerade vor dem Trump-Tower (Irgendwo in einer der oberen Stockwerke hat Lothar Matthäus jetzt sein "zuhause".).

Das Gebäude fand ich sehr interessant. Anscheinend hatte sich ein "kluger" Kopf gedacht: "Wenn es auf dem Boden schon so wenig Platz für ein paar Bäume gibt, dann stell ich eben welche auf's Dach.". Und so standen da also 21 Bäume auf der abgestuften Fassade des Trump-Towers.

Trump Tower Das Innere des Gebäudes war ziemlich protzig. An Wänden, Decken und Fußböden nur Gold (-farbe??)" und Marmor (-imitate??). Und mittendrin ein "Wasserfall", der über vier Stockwerke reichte. Mit dem "Plätschern" des Wassers im Hintergrund aßen wir zu Mittag.

Es wurde so langsam schon wieder dunkel, als wir den Trump-Tower verließen. Die Füße wurden uns so langsam schwer. Torsten und Yvonne sahen mit ihren ganzen Tüten aus, als hätten sie gerade ihren Jahreseinkauf getätigt. Wir machten uns so allmählich auf den Rückweg ins Hotel. Zu Fuß waren das nämlich einige "Meter". Wir waren auf Höhe der 59. und mußten ja noch "runter" bis zur 34. Wir kamen bei Bloomingdale‘s vorbei. Im Schaufenster stand ein Weihnachtsbaum, der komplett aus Süßigkeiten hergestellt war. Man konnte lesen, dass er aus ca. 2.000.000 Bonbons bestand. Eine Freude für jeden Zahnarzt. :-)

x-mas tree Alles wirkte noch viel prachtvoller und festlicher, als es dunkel wurde. Wir gingen noch mal am Rockefeller-Center vorbei, wo der große Weihnachtsbaum mit seinen Tausenden von Lichtern jetzt erst so richtig wirkte. Ein paar hundert Meter weiter fiel mir dann ein Gebäude auf, dass ich irgendwoher kannte, mir fiel es bloß nicht ein (ich muß dazu sagen, dass Torsten und ich große Filmfans sind, und kaum einen neuen Film im Kino verpassen). *Grübel* Großes, altes Gebäude, lange, hohe Treppe, Löwen aus Stein an den Ecken und dann machte es (zum Glück) doch noch "KLICK" bei mir.

Rockefeller-CenterIch griff mir sofort Torsten und fragte ihn: "Kennst du das Gebäude???". Man konnte sehen, dass er es auch erkannte, aber auch nicht wußte, wo er es hinstecken sollte. Um Sie nicht länger auf die Folter zu spannen: Es war aus einem unserer Lieblingsfilme: "GHOSTBUSTERS". Dort wurde die Anfangsszene gedreht und es war schon irgendwie witzig für uns, das mal live zu sehen.

CountdownTag 2 ging langsam zu Ende. Unser Blick fiel noch mal auf die große "Millenniums"-Uhr, die in der Nähe unseres Hotels hing. Es waren noch 3 Tage, 4 Stunden, 5 Minuten und 8 Sekunden bis zum großen Spektakel. Um ehrlich zu sein, wir waren nach New York gekommen, um das neue Jahrtausend in dieser Stadt zu begrüßen, aber das war total in den Hintergrund gerutscht. New York hatte so viel zu bieten, so viel zu sehen und zu entdecken.

Da war die Jahrtausendwende nur ein Tüpfelchen auf dem "i". Die Mädels gingen ins Hotel, während Torsten und ich uns noch ‘ne Pizza einschoben. Dieser Tag hatte uns allen sehr gut gefallen.

© 2000-2012 by Marion & Thomas Reichwein
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