New York City Reiseführer - NYC-Guide.de | Der Millennium-Trip | 27. Dezember 1999

Der Millennium-Trip

27. Dezember 1999


von Sascha Reinking

Tag 1 oder: "New Yorker Taxifahrer sind lebensmüde!!!!"

Oh Mann, was für ein Tag! Wir konnte kaum erwarten, dass es endlich losging. Ein ganzes Jahr warten, "hunderte" von Büchern und Reiseführern über New York gelesen und jetzt war es endlich soweit. Die Koffer waren gepackt, die Reiseunterlagen komplett und übersichtlich geordnet und der Wecker brauchte nicht mal zu läuten, denn vor Aufregung hatten wir die ganze Nacht nicht schlafen können. Ellen und ich fragten uns noch mal stichpunktartig nach den wichtigsten Dingen ab. Anscheinend war alles da, nichts vergessen.

Als wir die Koffer ins Auto bringen wollten und vor die Tür traten, glaubten wir unseren Augen kaum. Es hatte angefangen zu schneien. Gut, dass wir so früh aufgestanden waren! Im Auto schauten Ellen und ich uns noch mal an. Sascha: "Herd ist aus???", Ellen: "Ja, der Herd ist aus.". Sascha: "Katzen haben Futter und Wasser???", Ellen: "Jau, die Katzen sind versorgt!!". Sascha: "Reiseunterlagen hast du??", Ellen: "Wie ich?? Ich denke, du hast die eingesteckt?!?!?". Ich liebe dieses Frage-Antwort-Spielchen, denn so merkt man oft (nicht immer), dass man was vergessen hat. Ich also noch mal rauf und die Unterlagen geholt, die auch noch schön ordentlich dort lagen, wo wir sie hingelegt hatten, damit wir sie auch BESTIMMT nicht vergessen. Nun hatten wir alles und es konnte losgehen.

Die Fahrt zum Flughafen nach Hannover klappte prima. Wir parkten unser Auto direkt vorm Flughafen und gingen mit unserem Gepäck in die Abflughallen. Es dauerte nur ein paar Minuten bis Torsten und Yvonne auch auftauchten. Sie hatten etwas länger gebraucht, weil auch sie vom Schnee überrascht worden waren. Yvonne und Ellen hüteten die Koffer während Torsten und ich die Autos ins Parkhaus fuhren.

Wieder zusammen in der Abflughalle schauten wir gespannt auf die überdimensionale Anzeigetafel die von der Decke hing. Dort stand unser Flug schon. Von Hannover ging es erst mal nach Amsterdam. Für Ellen war das ganze noch aufregender als für Torsten, Yvonne und mich. Ellen war noch nie zuvor geflogen. Sie fand das alles total spannend. Als erstes "checkten" wir also ein. Die nette Dame von der Eurowings erklärte uns, dass unsere Koffer in Amsterdam direkt in die nächste Maschine gebracht würden und wir dort nicht noch einmal einchecken müßten. Als die Koffer weg waren, setzten wir uns erst mal ins Mövenpick-Cafe uns tranken eine Tasse Kaffee. Oh Mann, war das alles aufregend! Ellen hatte eine tolle Idee. Neben Fotoapparaten, die wir alle dabei hatten, hatte Ellen sich ein Diktiergerät zu Weihnachten gewünscht. So wie wir Fotos machten, hielt Ellen überall ihre "Quasselbox" hin, wo es was zu hören gab. Torsten und ich machten uns natürlich ein Späßchen daraus und kommentieren alle möglich Dinge, die Ellen dann auf Band festhielt.

Die Zeit verging ziemlich schnell, bis wir dann endlich in die Wartehalle durften. Alles, aber auch wirklich alles wurde in Bild und Ton festgehalten. (Kein Wunder, dass wir am Ende zusammen über 1000 Bilder gemacht hatten.) Eine nette Stewardess kam und bereitete sich darauf vor unseren Flug in ihrem perfektesten Englisch aufzurufen. Leider kam sie bei ihrem einstudierten Satz dann doch ziemlich ins "Stolpern", was Ellen total freute, weil sie natürlich wieder alles auf Band aufgenommen hatte.

Man merkte doch allen jetzt die Aufregung an, aber besonders Ellen. Sie stand kurz vor ihrem ersten Flug. Als wir durch die Gangway gegangen waren standen wir plötzlich auf dem Flugfeld, wo ein Bus auf uns wartete. Torsten kommentierte sofort: "Wie jetzt Bus???? Ich denke wir fliegen???". Im Bus waren dann Leute die nach New York wollten und eine Kegeltruppe, die nach Thailand unterwegs war. Jaja, was die ganzen Herren wohl in Thailand wollten???? Nachdem wir dann eine "tolle Besichtigungsrundfahrt" mit dem Bus gemacht hatten, standen wir endlich vor unserer Maschine nach Amsterdam. Als wir das Flugzeug sahen, sagten Torsten und ich wie aus einem Mund: "Oh, oh... eine Propellermaschine". Ellen wurde ganz aufgeregt und fragte: "Wieso?? Ist das was Schlimmes oder was?!?!?!". Torsten machte dann das Geräusch eines aussetzenden Propellers nach und Ellen fand das nur bedingt witzig.

Die Sitze in der Eurowings waren "klasse" In einer Sardienenbüchse wäre es kaum bequemer gewesen. Aber egal, für die halbe Stunde bis nach Amsterdam war es schon OK. Das Flugzeug hatte links zwei Sitze dann einen Mittelgang und wieder rechts zwei Sitze. Ellen wurde jetzt doch deutlich nervöser. "Was muß ich denn jetzt machen??" fragte sie. "Erst mal anschnallen", antwortete ich. Ellen zog sich ihren Gurt so stramm, dass ich befürchtete, sie würde eher an Atemnot umkippen, als an Flugangst. Ellens einzige Angst war, dass wenn sie den Flug von Hannover nach Amsterdam jetzt schon ganz schlimm finden würde, sie bestimmt nicht mehr ins nächste Flugzeug steigen würde. Ich gab ihr aber zu verstehen, dass sie sich keine Sorgen machen bräuchte. "In Amsterdam gibt es bestimmt ‘ne Menge Leute, die dann liebend gerne an deiner Stelle mit fliegen werden", sagte ich zu ihr. Anscheinend fand sie den Gedanken aber nicht so prickelnd.

Dann ging es los. Die Eurowings fuhr zu ihrer Startbahn. Ellen fragte immer genau nach, was als nächstes passiert. Ich erklärte ihr alles und das beruhigte sie dann auch. "Jetzt halten wir gleich noch mal kurz an, und dann geht es los." Ellen hielt die Luft an, als die Maschine Gas gab. Noch ruckelte alles leicht, bis sie (die Maschine - nicht Ellen) dann plötzlich langsam abhob. Ich schaute Ellen fragend an und sie sagte: "War es das jetzt schon??? Das war ja gar nicht schlimm!!!".

Essen...Als wir unsere Flughöhe erreicht hatten, gab es schnell Frühstück bevor wir auch schon wieder zu Landung ansetzten. Hannover – Amsterdam ist echt ein "Katzensprung". Der Landeanflug war ganz toll. Das Wetter war sehr gut, so dass man die Landschaft sehr gut sehen konnte. Ellen ging es anscheinend auch noch ziemlich gut. Der Flughafen in Amsterdam war da dann schon ein anderes Kaliber, als der in Hannover.

Wir orientierten uns nach den Bildschirmen die überall im Flughafen hingen und suchten unsere nächste Abflughalle, die wir dann auch nach ca. 30 Minuten erreichten. Wie gesagt, der Flughafen in Amsterdam ist echt riesig. Wir gingen zur Wartehalle und plötzlich war irgend etwas anders. Was war es nur??? Ach ja, plötzlich sprach kaum mehr jemand deutsch. Es ging also los!!! Wir vier hatten zwar unsere Schulenglisch-Kenntnisse in einen VHS-Kurs aufgefrischt, aber dort konnte man notfalls doch noch mal in deutsch etwas nachfragen. Hier ging das nun nicht mehr.

Um in die Wartehalle zu kommen, mußte man sie fast vollständig entkleiden. Naja, so schlimm war es doch nicht. Aber die Security nahm ihre Aufgabe schon sehr ernst. Uns wurden dann noch farbige Täfelchen in die Hand gedrückt mit einem kurzen Kommentar, den aber keiner von uns verstanden hatte. "Bloß nicht nachfragen" war die Devise. Es könnten neue Fragen auftauchen, mit denen man auch nichts anfangen kann. Oh Mann, unsere ersten Englischversuche waren echt erbärmlich. Wir versuchten möglichst wenig aufzufallen, um bloß nicht angesprochen zu werden. Eigentlich doof, weil wir ja schon Englisch sprechen konnten, aber sicher war sicher.

In der Wartehalle saßen also nun alles Leute, die nach New York wollten und viele sahen auch so aus, wie echte New Yorker. Allerdings saßen dort auch Menschen, die mehr aussahen, als wollten sie die Maschine eher entführen, als mit ihr in die Staaten reisen. Wir zogen uns noch gegenseitig auf und überlegten, wer von diesen Menschen wohl später für 7-8 Stunden neben uns sitzen würden. Um uns abzulenken, schauten wir uns die Maschine an, die uns in einigen Minuten Richtung New York befördern sollte.

AirportGerade wurde das Essen eingeladen und wir sahen Koffer im Bauch der Maschine verschwinden. Dort mußten auch unsere Koffer dabei sein. Dann war es soweit, die Stewardess rief die erste Farbe auf. Und in dem Moment wußten wir auch, wofür wir diese Täfelchen hatten. Es ging hier also nach Farben.

Erst durften die Leute mit dem grünen Kärtchen einsteigen, dann die mit den roten und dann kamen wir an die Reihe.

Als wir durch die Gangway die Maschine betraten war das ein völlig anderes Erlebnis als bei der kleinen Propellermaschine. Es war eine BOING 747 der Linie KLM. (KLM war mir damals unbekannt. Auf meine Frage ob das eine gute Linie sei, antwortete Frau Thiel: "Ist wie die Lufthansa - nur halt holländisch.". Was immer das auch bedeuten mag.) Hier gab es 3 Plätze rechts und links und eine Mittelreihe mit 4 Sitzen. Frau Thiel hatte für uns zwei mal zwei Plätze am Fenster reserviert. Ellen und Yvonne schnappten sich die Fensterplätze. Torsten und ich nahmen die Plätze neben den Damen. Wahnsinn!!! Hier gab es dann endlich mal die gewünschte Beinfreiheit für Torsten und mich. Ellen hatte da weniger Probleme. Mit ihren 1,56 Meter Körpergröße kam sie nicht mal mit ihren Füßen auf den Boden. :-) Das Handgepäck war verstaut, die Süßigkeiten strategisch günstig plaziert und der Fotoapparat "am Mann".

Die einzige Frage war jetzt noch: "Wer wird neben uns sitzen?". Jeder potenzielle Kandidat wurde von Torsten und mir genau gemustert. Und glauben sie mir, bei einigen waren wir wirklich froh, dass sie weitergingen. Das Flugzeug füllte sich mehr und mehr, bis dann endlich die Türen geschlossen wurden. Und siehe da, für die nächsten Stunden hatten wir nicht nur genügend Beinfreiheit, sondern auch reichlich Ellenbogenfreiheit, denn die Plätze neben Torsten und mir blieben frei. Es folgte ein kurzes Abklatschen mit einer "Strike"- Geste und die lästigen Armlehnen wurden hochgeklappt. So hatten wir also drei Sitze für jeweils zwei Personen. Jetzt konnte ja fast nichts mehr schiefgehen.

Langsam wurde es ernst. Der Flieger setzte sich langsam in Bewegung und auf dem Weg zur Rollbahn begrüßte uns der Pilot in einem Englisch, wo man sich fragte: "Hat der jetzt beim Sprechen einen Schal im Mund oder ist der einfach nur betrunken???" Anschließend versuchte er das Gleiche noch mal in holländisch, war genauso wenig zu verstehen. Das Flugzeug stoppte noch mal kurz bevor es uns dann mit einem irren Druck in die Sitze preßte. Unglaublich, dass so ein "Monster" von Maschine überhaupt fähig ist den Boden zu verlassen, aber sie war fähig. Als die Reifen den Boden verließen wurde es plötzlich ganz still in der Kabine. Da konnte man doch den Unterschied zwischen der kleinen Propellermaschine und der Boing feststellen. Man brauchte nicht schreien, sondern man konnte sich ganz normal unterhalten.

Der Steigflug war noch richtig spannend für uns. Besonders für Ellen, die aber mittlerweile schon in ihrem Sitz "relaxte", als wäre sie im einem Flugzeug geboren worden. Als wir die Reisehöhe erreicht hatten ertönte ein "PLING" und wir durften die Sicherheitsgurte lösen. Die erste Stunde ging ziemlich schnell vorbei und mit der Zeit fühlte man sich, als würde man in einem Bus reisen. Nur mit dem Unterschied, dass wenn man aus dem Fenster schaute, der Boden ein wenig weiter entfernt war. Das erste mal kamen die netten Stewardessen und brachten ein Tütchen Erdnüsse ( "LECKER" ) und ein Getränk nach Wahl.

" What do you like to drink???", fragte die nette Dame mit einem leichten holländischen Akzent. Oh oh, das war eine englische Frage. Aber Moment, die hatten wir verstanden!!! Ich schaute Ellen an und Ellen sagte leise: "A coke, please." Die Stewardess wühlte in ihrem Bollerwagen und holte tatsächlich eine Cola hervor. Wahnsinn!!! Die hatte uns anscheinend verstanden. Was für ein Erfolgserlebnis. Nachdem das so gut geklappt hatte, bestellten wir alle "A coke, please". :-) Zufrieden schlürften wir unsere Cola in der Gewissheit, dass wir auf jeden Fall schon mal jederzeit eine Cola bestellen konnten. Einige Zeit später gab es dann Mittagessen. Man konnte wählen zwischen "Hühnchen mit Reis" oder "Pasta".

Diesmal "erhöhte" ich meine Bestellung nach einem Getränk auf "A diet coke, please." Auch das klappte. Ich bekam eine Cola light. Allerdings immer nur ein Becherchen voll. Torsten bestellt dann ein Bier und bekam ne ganze Dose. "Mist, ich will doch auch ‘ne ganze Dose Cola. Was heißt bloß Dose auf Englisch???". Da fliegt man schon nach Amyland und weiß nicht mal, wie man ‘ne Dose Cola bekommt. Um die Sache abzukürzen, ich habe dann auch Bier bestellt, da hatte ich dann meine Dose. :-)

Über den Wolken...Die netten Damen kamen noch öfter mit ihrem Bollerwagen vorbei, servierten, räumten ab und verkauften "Duty free"-Artikel. Der Blick aus dem Fenster war atemberaubend. Zeitweise flogen wir zwischen zwei Wolkenschichten. Während die anderen dann etwas dösten, schnappte ich mir die Kopfhörer und schaute mir "The Sixth Sense" mit Bruce Willis an.

Ich konnte zwar nur die Hälfte verstehen, aber trotzdem war der Film ziemlich gut (wir haben ihn dann später noch auf deutsch im Kino gesehen). Kurz vor der Landung mußten wir dann noch den obligatorischen grünen Schein ausfüllen, den man zur Einreise in die USA braucht. Kleiner Tipp: Nehmen Sie immer mindestens zwei Scheine, denn Sie verschreiben sich garantiert! Schnell noch die Uhren umgestellt und kurz darauf wurde es wieder spannend. Wir setzten zum Landeanflug an.

Fliegen macht ja echt Spaß, aber nach 7-8 Stunden reicht es dann auch langsam. Wir waren ja schon seit einigen Stunden auf den Beinen und so langsam setzte ein wenig die Müdigkeit ein. Die Landebahn kam immer näher und näher und dann passierte dass, was uns fast doch noch gezwungen hätte, die netten, kleinen blauen Spuck-Tüten zu benutzen. Kurz bevor die Räder den Boden berührten, gab der Pilot noch mal richtig Gas und startete erneut durch.

Das war ein Gefühl, kann ich Ihnen sagen. Plötzlich wollten die ganzen leckeren Speisen wieder an die frische Luft und für einen Moment dachte ich, ich müßte mir das Essen noch mal durch den Kopf gehen lassen. Das Gefühl verabschiedete sich aber nach ein paar Sekunden wieder. Warum der Pilot noch mal durchstarten mußte, wissen wir nicht genau. Das einzig Positive an dieser ganzen Aktion war, dass wir die "Warteschleife" nun direkt über Manhattan drehen durften. Wir konnten schon einiges erkennen: Die Freiheitsstatue, das World Trade Center und das Empire State Building. Dann war es aber endlich soweit. Wir landeten und da waren wir also.

Die vier Dorfbewohner, in deren Heimatorten mal gerade 1.000 Menschen leben, mitten in der Millionenmetropole. Der JFK-Flughafen war riesig. Jetzt mußten wir uns erst mal, wie es in Amerika so üblich ist, in eine Reihe stellen. Mit Reisepaß und "Einwanderungsschein" im Anschlag wurden wir dann nach einiger Zeit zum nächsten freien Beamten gewunken. Dort trafen wir auf einen sehr netten Mann, der wissen wollte, warum wir in die USA einreisen (for holiday, sir), wie lange wir bleiben werden (for 7 days, sir), ob wir verheiratet sind (no, not yet, sir), unsere Reisepässe stempelte und uns dann noch einen schönen Aufenthalt in New York wünschte. Das klappte ja wie ‘n Länderspiel (wie Torsten immer zu sagen pflegt).

Endlich angekommen!Jetzt noch schnell die Koffer geholt und dann gab es auch schon den ersten "Rüffel". Ellen machte Fotos im Flughafen, was anscheinend einem jungen Flughafenangestellten gar nicht so gefiel. Er machte uns sehr höflich darauf aufmerksam, dass man "hier" nicht fotografieren durfte. Weiter ging es an den Informationsschalter.

Ich fragte in meinem Schul-Englisch, wie man am besten in die City kommt. Der Mann am Schalter fragte wie viele Personen wir seien (four) und empfahl uns dann, ein Taxi zu nehmen. Wir also raus aus dem Flughafen und hin zum Taxistand.

Auf dem Weg dorthin kamen wir an einer riesigen Limousine vorbei. In dem Moment dachten wir noch: "Hui, wird hier wohl ein Promi abgeholt???". Nicht wissend, dass diese Limousinen in Manhattan an jeder Ecke stehen und Touris durch die Gegend kutschieren. Am Taxistand gab es dann Hilfe von einem sehr netten, engagierten Mann in Uniform, der die "echten" Taxis (mit Lizenz) von den "falschen" Taxis (ohne Lizenz) trennte.

Es wurde schon langsam dunkel und als wir an der Reihe waren, konnten wir unseren Augen kaum trauen und schwankten zwischen absolutem Lachflash und leichten Panikschüben. Der Taxifahrer schien gerade einem typischen amerikanischen Film entsprungen zu sein und alle Vorurteile über New Yorker Taxifahrer wurden wahr. Er hatte einen gewaltigen Rauschebart und einen noch gewaltigeren Turban auf dem Kopf. Und ich glaube er war der englischen Sprache nicht sehr mächtig. Wir mußten alle grinsen, als wir unser Gepäck im Kofferraum verstauten. Dann war die Frage: "Wer setzt sich nach vorne???". Ellen erklärte sich bereit und wir stiegen ins Taxi. "Pennsylvania Hotel, please" und schon ging es los. Oh Mann, wir konnten es noch kaum glauben. Wir saßen in einem New Yorker Taxi und waren auf dem Weg nach Manhattan. Wir sahen alle gebannt aus dem Fenster. Es war eine komplett andere Welt hier.

Der Fahrer fuhr, wie man es von einem New Yorker Taxifahrer erwartet konnte. Er überholte, hupte, beschimpfte die anderen Verkehrsteilnehmer, rülpste manchmal und trank seine Sprite, während er mit der anderen Hand ein Bündel Geldscheine zählte. So wie der "Kollege" fuhr, hatte ich einige Male das Gefühl, wir würden die Lichter von Manhattan wohl doch nicht mehr zu sehen bekommen. Doch dann war es so weit. Plötzlich tauchte die Skyline von Manhattan auf. Man konnte die Twin Towers, das Empire und Tausende von Lichtern sehen. Das Gefühl, dass ich in diesem Moment hatte, kann ich kaum beschreiben und wohl nur der nachvollziehen, der selbst schon mal in dieser Stadt war und diese Stadt (so wie ich) "fühlen" kann (Zwinker zu Marion). Es war einfach atemberaubend, als wir uns Manhattan näherten. Ich wünsche jedem von Ihnen einmal dieses Erlebnis. Man fühlt sich wie im Film. Man denkt, dass man auf eine riesige Filmkulisse zufährt und realisiert dann plötzlich, dass das alles wirklich echt ist, kein Traum mehr, kein Film. MAN IST IN NEW YORK!

Umso näher wir der City kamen, desto höher wurden die Gebäude. Im Taxi wurde in der Zwischenzeit (auf deutsch) diskutiert, was wir denn dem netten Taxifahrer für ein Trinkgeld zu geben hätten. Ich glaube, er bekam genug. :-) Das Taxi hielt direkt vor dem Pennsylvania-Hotel. WOW!!! Hier war richtig was los!!! Direkt gegenüber war der Madison Square Garden, rechts nebenan lag das berühmte Kaufhaus Macy's und das Empire State Building war auch nur ein paar Blocks entfernt. Wir schnappten uns erst mal unsere Koffer und "stürmten" das Hotel. Die Eingangshalle war riesig. So riesig, dass unsere Blicke abgelenkt waren und das wurde Yvonne dann zum Verhängnis.

In dem Moment wo sie wieder nach vorne schaute, rannte sie im vollen Lauf mit dem Kopf gegen einen Pfeiler, der mitten in der Halle stand. Oh Mann, hat das gescheppert!!! Yvonne schossen sofort die Tränen in die Augen und man konnte zusehen wie eine riesige Beule aus ihrer Stirn wuchs. Das tat weh und das nach so einem langen Tag. Das Einchecken ging dann ganz unkompliziert. Wir bekamen unsere Zimmerkarten und stiegen in einen der 10 Aufzüge. Unsere Zimmer lagen im 15. Stock und wir waren gespannt, was uns erwartete. Die Zimmertüren sahen aus wie Sargdeckel, die Zimmer waren dann aber doch, im Gegensatz zu einigen Berichten, sehr gut. Vielleicht waren unsere Ansprüche nicht sehr hoch, aber uns gefielen die Zimmer.

So, was glauben sie, was wir dann als erstes gemacht haben??? Ausgepackt??? Einen Moment hingesetzt??? Nein!!! Wir haben das getan, was wir auch immer tun, wenn wir in Deutschland nach Hause kommen. Wir haben die Glotze angeschmissen und gezappt. Wahnsinn!!! Soooo viele Programme. Da waren Nachrichtenkanäle, Wetterkanäle, Spielfilmkanäle und noch einige mehr. Wir erkannten ein paar Serien, die wir oft in Deutschland sehen.

Restroom?Und wenn man sich etwas konzentrierte, dann konnte man sogar die Dialoge verstehen. Da war "Die Nanny", "Seinfeld", "Friends" und sogar "Die Simpsons"! Sie müssen sich unbedingt mal ein paar Serien in Amerika anschauen, im Originalton sind die viel witziger als in Deutsch. Ellen war in der Zwischenzeit im Bad verschwunden. Sie kam nach einigen Sekunden wieder raus und sagte: "Na toll, die Toilette ist verstopft.". Ich also mit ins Bad und tatsächlich, da stand doch wirklich 20cm Wasser im Kloset.

" Und nu???" fragte Ellen. Vorsichtig drückte sie auf die Spülung und spätestens jetzt wußten wir was Al Bundy meint, wenn er das Geräusch seiner Toilette nachmacht. "KAAAAAWUUUUSSSCHHHHHHH!!!!" machte es, das Wasser schoß aus der Schüssel und neues floss nach. AHAAA!!!! So funktioniert das also hier. Ich versuchte mir vorzustellen, wie man wohl vernünftig... ähem... naja... Sie wissen schon. "Nun gut, das teste ich dann, wenn es soweit ist.", überlegte ich mir. :-) Als gelernter Installateur war Torsten wohl auch sehr angetan von der amerikanischen Art Badezimmer zu bauen. Jedenfalls machte er gleich ein paar Fotos von den Installationen.

Wir waren jetzt schon ziemlich müde. Immerhin waren wir jetzt schon seit fast 20 Stunden auf den Beinen. Aber an Schlafen dachte nun wirklich keiner. Erstens hatten wir gelernt, dass man möglichst lange aufbleiben soll, um den Jetlag zu überwinden und zweitens geht man nicht einfach ins Bett, wenn man in einer Stadt wie New York angekommen ist. Wir also wieder runter und erst mal was zu essen suchen. Ein paar Meter entfernt von unserem Hotel gab es ein McDonald's. Ich weiß was Sie jetzt denken: "Jetzt sind die schon in so einer Weltstadt und gehen trotzdem zu McDonald's.". Sollten sie aber unbedingt mal machen, ist nicht zu vergleichen mit den deutschen McDonald's, wo die Hamburger schmecken, als wären sie schon ein paar Mal vom Grill gefallen. Dort gab es RICHTIGE!!! Hamburger und die schmeckten!!! :-)

Empire State BuildingAls wir McDonald's verließen, war es 20.00 Uhr. Als krönenden Tagesabschluß fuhren wir dann aufs Empire State Building. Obwohl es schon ziemlich spät war, gab es immer noch eine lange Schlange an der Kasse. Wir bezahlten jeder 7 Dollar (cash, no credit card, please), wurden noch kurz nach Waffen, Bomben oder Wurfgeschossen durchsucht und stiegen dann in den Fahrstuhl, der uns in wenigen Sekunden in die 85. Etage "katapultierte". Die Fahrstühle in New York fahren alle ein wenig (untertrieben!!!) schneller als unsere in Germany. Ellen fand das gar nicht toll, da sie Fahrstuhl fahren überhaupt nicht mag, die 85. Etage zu Fuß war ihr dann aber doch ein bißchen zu viel.

Der Sicht von der Aussichtsplattform war überwältigend!!! Wir machten einige Fotos, die aber nicht das widerspiegeln konnten, was man "live" dort oben erlebte.

Es war unglaublich. Tausende von Lichtern, Geräuschen, Gerüchen, alles war so neu, so fremd und so wunderschön. Man kam sich so klein vor, aber trotzdem war man ein Teil dieser Stadt. Ich war so ergriffen, gerührt und überwältigt, dass mir die Tränen in den Augen standen und ich glaube den anderen Dreien auch. Dort oben war es richtig windig. Zum Glück hatten wir uns richtig warm angezogen. Wir gingen 2-3 mal in der Runde und schauten auf die Stadt. Man konnte das World Trade Center sehen, das Flat Iron, das Chrysler Building, das Lipstick Building und vieles mehr. Alles das würden wir in den nächsten Tagen erobern. Am Himmel konnte man ca. 20 Lichtpunkte ausmachen. Alles Flugzeuge, die auf ihre Landung auf einem der drei New Yorker Flughäfen warteten. Es war schon witzig zu sehen, wie die Flieger hintereinander, wie in einer Warteschlange, am Himmel "standen".

Um ca. 22.00 Uhr gingen wir dann wieder Richtung Hotel. Ich will nicht übertreiben, aber wir waren (schweine-)müde. Unterwegs knipste Torsten (der LKW-Yunkie) einen Truck, der seelenruhig mal gerade eine komplette Straße blockierte, indem er sich quer über die Straße stellte. Das Hupkonzert schien den Fahrer wenig zu stören, während er ganz in Ruhe seine Fracht entlud.

Wieder im Hotel kauften wir uns noch ein paar Getränke, machten eine Uhrzeit für den nächsten Tag ab und gingen dann in unsere Zimmer. Als wir dann unseren Radiowecker einstöpseln wollten, stellten wir fest, dass wir doch nicht den richtigen Adapter mitgenommen hatten. Egal!!! Ellen und ich zappten erst noch ein wenig durch die Programme und machten die Glotze dann aus. Während wir einschliefen, konnte man in der Ferne Geräusche hören, die man sonst nur aus dem Kino kennt. Es war eine Mischung aus Hupen, Sirenen und Menschengemurmel. Wenn es ganz ruhig ist, dann kann ich diese Geräuschkulisse immer noch ganz leise hören. Dieser angenehme "Lärm" ist für mich ein Synonym für New York geworden. Mit dieser "Musik" im Hintergrund schliefen wir dann ein und freuten uns auf den nächsten Tag.

© 2000-2012 by Marion & Thomas Reichwein
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