New York City Reiseführer - NYC-Guide.de | Manhattan Helicopter Flight | Die Story

Manhattan Helicopter Flight

Die Story


von Dr. Reinhard Hennig

1. Akt

Berlin, im Februar: Flug-Stories sind die absoluten Langweiler schlechthin. Am Flughafen Berlin-Tegel frühmorgens los, umsteigen in Frankfurt/M., dann ab in die "Interkonti-Röhre", 7 bis 8 Stunden ausharren zwischen Toilette, Kintopp und eingeschlafenen Füßen. Mehr oder weniger groggy ankommen auf JFK (das ist einer der drei Flughäfen von New York City, benannt nach John F. Kennedy). Wow, Abflug am Morgen, Ankunft gerade mittags. War das 'ne Concorde? Nee, das war nur die Zeitverschiebung. Hi Jetlag, how are you?

"Yellow Cabs" im "ground floor". Über mir wird wohl 'ne Kellerwohnung frei :-) Und der Fahrer? Na gut, dreimal geduldig das primäre Ziel ("Gershwin Hotel", E 22 St. / near 5th Ave.) erklärt. Allah u akhbar. War wohl kein "native american", der Fahrer. Na ja, Kismet. Gemeinsames Suchen in der 22. Straße für den "final impact". That's it. Hey, we've got it! Den obligatorischen "Tip" (Trinkgeld) rüberreichen, dann Zimmer in Beschlag nehmen. Tolle Aussicht: Brandmauer mit Fensteröffnungen gegenüber, gelangweilte Manhattaner Angestellte dahinter, nasepopelnd. Egal!  Bienvenue, willkommen, welcome - New York. Da bin ich nun also...


2. Akt

Also gut. Bernd hatte recht! Der "Verkehrsschock" kann kaum größer sein. Kreatives Chaos, wohin immer man sieht. Die US-Metropole ist ein einziger brodelnder Moloch, permanente Hupkonzerte, waghalsige taxi driver, der gemeine New Yorker immer in Eile. Touris stehen ihm meist im Weg herum, outen sich als "aliens", indem sie rote Ampeln noch ernst nehmen, ständig in die Luft gucken und tonnenweise Filme verknipsen. Ich beschließe, mich nicht als Touri zu outen und ignoriere von jetzt an jedes "Don't Walk". Und - es funktioniert!

Empire State Building Doch noch fehlt mir der Überblick. Überblick? Na, das kann man doch ändern! Wo ich gerad' Ecke 5th Ave./W 34. St. bin... Richtig, am ESB, dem Empire State Building. Von ganz oben dürfte sich doch wohl die Sache mit dem Überblick ganz gut regeln lassen, denke ich. Doch vor der Aussicht haben die Götter das business gestellt. "For free" ist nicht! Schlange stehen aber schon. Step one: ab in den Keller, in mit Kordeln abgesteckten Zickzack-Mäandern bis zum Cashier vordringen, Cash für's Ticket löhnen, OK, geschafft. Step two: Rolltreppe entern, hoch in die zweite Etage. Dort starten die Express-Lifts nach oben. Wieder Schlange stehen, bis mich letztendlich solch ein Geschoss bis in Höhe der 86. Etage katapultiert. Aussteigen! Hey, das ist doch noch nicht ganz oben?! Ist es auch nicht, Nur enden hier die Aufzüge von ganz unten. Wer weiter hinauf will, muss nun umsteigen in den nächsten Aufzug, nochmal 16 Etagen bis zum 102nd floor. Endlich on top!

me @ ESBBut, business as usual. Man landet nicht etwa sofort auf der Aussichtsplattform, sondern findet sich in einem Souvenirgeschäft wieder. Erst, wer sich wacker durch die Auslagen gekämpft hat, entert schließlich die Ausgangstür ins Freie. Wow, so hoch hinaus kommt man selten. Und Glück habe ich auch noch, denn gerade die Aussichtsplattform auf der 102. Etage ist häufig aufgrund hohen Besucherandrangs geschlossen. Die Rundumsicht entschädigt für manche Strapaze und stundenlanges Schlangestehen. Was für eine Stadt.

Es stimmt schon, wenn man sagt, NYC kann man entweder nur lieben oder hassen. Ich liebe diese Stadt, das wird mir in diesem Moment bewusst.


3. Akt

Manhattan, Midtown 1st Ave./E 32 St.: Der Doorman meines Hotels hat mir einen heißen Tipp gegeben. Höher, weiter, schneller? Dazu muss man nicht extra auf Hochhäuser klettern. Es geht auch anders. Zum Beispiel mit dem Helikopter! Einfach mal so Manhattan aus der Vogelperspektive erleben. Na gut, ein zweistelliger $-Betrag reicht dafür nicht aus. Aber warum heißen Kreditkarten denn KREDITkarten?? Na also! DEN Spaß will ich mir nicht entgehen lassen.

me & heli Etwa in Höhe der 32th. Street E., direkt am East River gelegen, befindet sich eine kleine 'helicopter base', von der aus wir gleich zu unserem Rundflug über Manhattan, NYC, starten werden. Willkommen an Bord - und 'fasten your seat belt'...

DowntownTake off - mit unserem Helikopter befinden wir uns nun etwa in Höhe Manhattan Midtown über dem Central Park, der sich von der 5th Avenue, Ecke 57th Street West über ein gewaltiges Areal bis nach Norden in Richtung Bronx erstreckt. Aus der Pilotenkanzel hinaus geht der Blick nach Süden, wo sich in Downtown, speziell im sogenannten 'Financial District' die Wolkenkratzer ballen. Unverkennbar: die (zur Zeit meines New York Trips noch existierenden) beiden Türme des World Trade Centers.

Hat man das Prinzip erst einmal begriffen, ist es ziemlich schwierig, sich in Manhattan zu verlaufen, da die Metropole (abgesehen von Downtown) größtenteils in einem rechtwinkligen Strassengitter angeordnet ist.

SkyscrapersAlle Achsen in Nord-Süd-Richtung heißen 'Avenues' und sind von Ost nach West aufsteigend durchnummeriert, alle quer dazu in Ost-West-Richtung verlaufenden nennt man 'Streets', nummeriert in aufsteigender Reihe in Richtung Norden. Hierbei bildet die 5th Avenue, die Manhattan ziemlich mittig durchschneidet, die Unterscheidungsgrenze für die Street-Anhänge 'East' und 'West' (E., W.).

WTCWestlich der 5th Ave. heißt die 34th Street z. B. '34th Street W.', östlich davon eben '34th Street E.'. Weiß man also nicht mehr, wo man sich in etwa befindet, reicht es, zur nächsten Ecke zu gehen und die Strassenschilder zu lesen - schon kennt man sich wieder aus. Das Empire State Building steht beispielsweise an der Ecke zwischen 5th Ave./34th Street W.. Nun wissen Sie auch, wie Sie dorthin kommen, egal, von wo aus... So einfach ist das!

Der Financial District in Lower Manhattan liegt auf dem 'Südzipfel' der Halbinsel. Hier ist das internationale Kapital zuhause. Fliegen wir noch in einer scharfen Rechtskurve am World Trade Center vorbei, so erreichen wir in wenigen Augenblicken offenes Wasser am Zusammenfluss von East River und Hudson River in Richtung Atlantik.

Unser nächstes Ziel: Liberty Island.

Sehen Sie noch im Hintergrund, woher wir gerade gekommen sind? Mitten in der Bucht (links oben fließt der Hudson-, rechts der East River in sie hinein), liegt neben Ellis Island (wir sehen einen Zipfel gerade noch links im Bild) die Insel Liberty Island mit dem wohl bekanntesten Wahrzeichen der USA: Miss Liberty, die Freiheitsstatue. Mal was ganz anderes, dies alles aus der Vogelperspektive zu erleben. Great!!

Liberty IslandBy the way: die Touristen fliegen hier natürlich nicht mit dem 'Heli' ein, dafür gibt es einen regen Boots-Shuttle-Betrieb. Einfach vom Financial District aus an die Südspitze zum Battery Park laufen, Tickets lösen - und schon kann die Seereise beginnen.

Miss LibertyDie führt dann gewöhnlich nicht gleich nach Liberty Island, sondern - mit typisch amerikanischem Nationalstolz - zuerst zu einem Abstecher nach Ellis Island, wo die Einwanderer aus aller Welt damals ankamen und quasi quarantänemäßig 'auf Herz und Nieren' überprüft wurden, bevor man sie in die Neue Welt, das erhoffte Land der unbegrenzten Möglichkeiten, entließ.

Ein letzter Blick zurück - 'Bye, bye, Miss Liberty'. Ich komm' Dir später noch in die Krone steigen!

Doch nun geht's erst einmal zurück zum Startplatz. Diesmal nehmen wir Kurs in Richtung East River, um wieder auf unserer 'helicopter base' zur Landung anzusetzen. Let's go.

Auf dem Rückflug gibt's natürlich noch mehr bekannte Dinge zu sehen. Na, erkannt? Richtig! Das UN-Gebäude, Sitz der Vereinten Nationen. Von dieser Seite der Fassade haben die Angestellten einen wunderschönen Blick nach draussen auf den East River und Brooklyn auf der anderen Uferseite. Um ans andere Ufer zu gelangen, nimmt man entweder die Brooklyn Bridge, die den East River überspannt, es geht aber auch unterirdisch, wenn man, mit dem Auto, versteht sich, den Midtown Tunnel unter dem Fluss durchfährt.

UN Doch eine solche Baumaßnahme muss sich rechnen - und so wird für jedes Kraftfahrzeug pro Passage '$3 toll', also eine Benutzungsgebühr fällig.

Landeanflug. Ich bin heil auf dem Boden der Tatsachen zurück. Manhattan, Du hast mich wieder. Nun erst mal ein Stück die 1. Ave. runter, in E. 22nd St. gibt's 'nen tollen Burger. Bei 'quarter pounder', Fries & Coke verarbeite ich das soeben Erlebte. Was für ein Überblick! So hat man es uns schon an der Uni erklärt: verschafft Euch erst eine globale Sicht auf ein System, danach nähert euch den Details. OK, mache ich! Ein paar Tage habe ich noch in dieser faszinierenden, quirligen Metropole. Ob Time Square, W. 57th St. Hardrock Cafe, WTC (ja, ich durfte es noch erleben), ob von Greenwich Village über Soho, Little Italy und Tribeca nach Chinatown und Lower Manhattan bis zum Besuch der alten Dame, Miss Liberty - es sind immer neue Eindrücke. Aber das ist schon wieder very much Stoff für eine andere Story...


Ebenfalls bei uns erschienen:
Visit Of The Old Lady | The Thrill is back...

© 2000-2012 by Marion & Thomas Reichwein
Teilen   DruckenSeite verschicken


Amazon