New York City Reiseführer - NYC-Guide.de | Zu Besuch bei den Heroes | Freitag, 6. April 2001

Zu Besuch bei den Heroes

Freitag, 6. April 2001


von Karsten Grobbel

Ich stehe um 7:00 Uhr auf, mit leichten Kopfschmerzen. Ich gehe in der Etagendusche duschen, nehme ein spärliches Frühstück, was man in der Jugendherberge ordern kann zu mir und fahre mit der Subway zur Staten Island Ferry, mit der man kostenlos nach Staten Island rüber fahren kann. Die Fahrt führt unmittelbar an der Miss Liberty vorbei. Dort angekommen, fahre ich noch ein Stück mit dem Zug und frage mich dann zur Feuerwache durch. Es ist die Wache von "Engine 160", "Rescue 5" und "TAC 2", 1850 Clove Road, eine Wache, auf der schwerpunktmäßig technisches Gerät untergebracht ist.

Ich stelle mich bei den Kollegen vor, und immer wenn die Kollegen hören, dass man Feuerwehrmann aus Deutschland ist, das zeigen auch meine Erfahrungen aus den ersten USA-Besuchen, wird man super herzlich empfangen und es stehen einem Tür und Tor offen. So war es auch in diesem Fall. Ein Kollege führte mich durch die Wache, zeigte mir alles, erklärte mir die Fahrzeuge und die Ausrüstung. Meine Fotokamera hatte viel zu tun. Danach kam der schwierigste Teil meiner Mission, die Frage, ob man ein paar Stunden bleiben darf und, sollte ein Alarm kommen, ob man mit rausfahren kann. In Deutschland wäre man bei dieser Frage sicher rausgeworfen oder für verrückt erklärt worden, aber hier ist eben alles anders. Mir wurde gezeigt, wo ich Platz nehmen kann, wenn ein Alarm kommt und ich setzte mich vorübergehend eine Zeit lang in die Zentrale und wartete auf die Dinge, die da kommen sollten. Mittags wurde ich zum Essen eingeladen.

Fisch in BaguettebrötchenVor dem Essen wurde gesammelt, ein Kollege fuhr danach einkaufen und sorgte für die nötigen Zutaten. Ich wollte mich an den Kosten beteiligen, aber sie haben mich nicht gelassen. Wenn man Gast ist, wird man auch so behandelt. Es gab gebratenen Fisch in Baguettebrötchen, dazu so was Ähnliches wie Kroketten und es schmeckte absolut lecker.

Das beste war allerdings der Nachtisch. Alarm für die Einheit "Rescue 5". Total aufgeregt nehme ich meinen Platz ein. Gemeldet wurde ein Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person. Es ist unglaublich. Das Einsatzfahrzeug selbst ist schon eine riesige Kiste und dann brettern die wie verrückt durch die engen Straßen und über rote Kreuzungen und dann noch diese Sirene dazu.

Irgendwie kann ich das alles gar nicht glauben, was hier gerade passiert. Man kennt das Heulen der Sirenen aus dem Fernsehen und man glaubt, es sei nachvertont, aber es ist Realität. Und diesmal bin ich mittendrin. Nach kurzer Fahrzeit kommt jedoch die Meldung, dass die Person nicht mehr eingeklemmt ist. Wir brechen den Einsatz ab und fahren zurück zur Wache.

Noch immer leicht benommen von den ersten Eindrücken dauert es nur wenige Minuten, bis der nächste Alarm einläuft. Gemeldet wird diesmal ein Feuer in einem Lagerhaus. Während der Anfahrt rüsten sich zwei Kollegen mit Atemschutz aus. Ich stehe mit dem Rest der Mannschaft hinten im Durchgang. Auch diesmal kommt unterwegs eine Meldung von bereits eingetroffenen Einheiten, dass es nicht brennt.

Zurück auf der Wache schaue ich den Kollegen bei einer Übung zu und stelle fest, dass die Arbeitsweise hier doch etwas anders als in Deutschland ist.

Alarm Mitten in der Übung läuft plötzlich erneut ein Alarm auf. Diesmal handelt es sich um einen sogenannten "First Responder"-Einsatz. Ist bei einem medizinischen Notfall nicht sofort ein Rettungswagen verfügbar, wird die Feuerwehr zunächst zur Erstversorgung alarmiert. Wir fahren mit "Engine 160" über einen verstopften Highway zu einem Altenheim. Eine Bewohnerin hat einen Schlaganfall erlitten und wird nun von einem speziell ausgebildeten Firefighter, genannt EMT, medizinisch versorgt. Dies ist ein sehr gängiges und weit verbreitetes System bei amerikanischen Feuerwehren, was auch in Deutschland immer weiter auf dem Vormarsch ist.

Einige Minuten später trifft dann auch der Rettungswagen ein, der die alte Dame ins Krankenhaus fährt. Kurz nach 16:00 Uhr verabschiede ich mich von den Kollegen, tausche noch ein paar Ärmelabzeichen und ein T-Shirt und mache mich auf den Weg zurück nach Manhattan. Es regnet und es ist bitter kalt.

Zurück in Manhattan fahre ich zum Firestore, ein Geschäft, wo man alles Mögliche zum Thema Feuerwehr bekommt, allerdings zu total überzogenen Preisen. Wegen des schlechtes Wetters setzte ich mich nebenan in ein Internetcafe und schreibe ein paar eMails. Gegen 19:00 Uhr bin ich zurück in der Jugendherberge.

Ich bin total kaputt, die Zeitumstellung und wahrscheinlich auch die drei Bier von gestern lassen mich ins Bett fallen. Ich schlafe durch bis zum nächsten Morgen. In der Nacht werde ich noch mal geweckt, weil ich angeblich in einem falschen Bett schlafe. Der gute Mann von der Rezeption verlangt dann auch noch von mir, dass ich ihm meine Reservierung zeige. Dabei macht er mich darauf aufmerksam, dass auf dieser Reservierung auch die Bettnummer steht, was ich allerdings nicht wusste. Ich hatte mich wohl ins falsche Bett gelegt. Allerdings war das Bett, in dem ich eigentlich hätte schlafen sollen, auch schon belegt. Wir werden uns dann aber noch einig und ich brauche nicht mitten in der Nacht in ein anderes Bett umziehen.

© 2000-2012 by Marion & Thomas Reichwein
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